Die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf

Wünsdorf. Fährt man auf der B96 aus Berlin kommend in südliche Richtung, wird man irgendwann auf ein Ortsschild mit diesem Namen stoßen und wer aufmerksam schaut, wird an den Straßenrändern das eine oder andere etwas verfallene Gebäude und auch Wegweiser zur Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf entdecken. Diese befindet sich im heutigen Ortsteil Waldstadt, der jedoch zu Zossen gehört und sich ungefähr in der Mitte zwischen beiden Orten befinden.

1907 hatte man bei der damaligen kaiserlichen Armee dort einen Truppenübungsplatz einzurichten und ab 1910 wurde selbiger genutzt. Später kamen Unterkünfte für Soldaten und im 1. Weltkrieg auch Kriegsgefangenenlager hinzu. Nach dem Ende des Kriegs gab die neue Reichswehr das Gelände jedoch nicht auf, sondern nutzte es um den Soldaten Kraftfahrunterricht zu geben. Das Gelände wurde immer größer und in Wehrmachtszeiten wurden rund um Wünsdorf und Zossen dann auch die Oberkommandos der Wehrmacht und des Heeres stationiert.

Dafür entstanden zahlreiche ober- und unterirdische Bunkeranlagen. Die heute zur Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf gehörende Bunkeranlage Maybach I war Sitz des Oberkommandos des Heeres und wurde nach 1945 von der Sowjetarmee übernommen und teilweise zerstört. Bis 1994 nutzte die Sowjetarmee dann das Gelände bevor es zurück an die Bundesrepublik Deutschland viel. So richtig wusste die damit aber nichts anzufangen und so entstand auf einem Teil des ehemals militärisch genutzten Geländes die heutige Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf.

Soweit zur Vorgeschichte.

Die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf verfolgt ein sehr interessantes Konzept. Wer sich für verlassene Orte (Lost Places) interessiert, kommt hier ebenso auf seine Kosten wie Leseratten, denn der Name Bücherstadt rührt daher, daß sich mehrere Antiquariate auf dem Gelände angesiedelt haben. Hier kann man in unzähligen Büchern stöbern und für ganz kleines Geld, teils schon ab 1 € je Buch, so manches gute Stück mit nach Hause nehmen. Wenn man nicht aufpasst, sind da ruckzuck mehrere Stunden vergangen und der Stapel der zu kaufenden Bücher inzwischen bedrohlich angewachsen. Also ruhig etwas mehr Zeit einplanen.

Bekommt man zwischendurch Hunger oder Durst, finden sich mit einem griechischen Restaurant sowie der Teestube auch gastronomische Einrichtungen, wo man seine entsprechenden Bedürfnisse stillen kann.

Kommt man aus Wünsdorf in die Bücher- und Bunkerstadt, fällt gleich am Eingang der Luftschutzbunker Bauart Winkel ins Auge, der wie eine Zigarre in die Luft ragt. Durch seine spitze Form bot er Bomben wenig Aufprallfläche. Auf der anderen Straßenseite befinden sich zwei Museen. Eines davon ist das Garnisionsmuseum, daß die Geschichte des Geländes von 1907 bis 1945 beleuchtet, das andere Museum stellt das Leben der sowjetischen Soldaten von 1945 – 1994 auf dem Gelände in Wünsdorf vor. Für die drei Objekte benötigt man separate Eintrittskarten, die man allesamt im Garnisonsmuseum erhält. Während man für das Garnisonsmuseum und das Museum zur Geschichte der Sowjetarmee in Wünsdorf jeweils 3 € Eintritt zahlt, kostet die Besichtigung des Luftschutzbunkers 1,50 € Eintritt.

Die Bunkeranlage selbst kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Neben öffentlichen Führungen (Dauer: ca. 100 Minuten, Preis: 12 €) gibt es auch verschiedene Touren, die man als Gruppe buchen kann. Bei der öffentlichen Führung besichtigt man Teile der Bunkeranlage Maybach I (Bunker A1 bis A6) von außen sowie auch von innen den ehemaligen Nachrichtenbunker Zeppelin, der noch bis 1994 von den Sowjetarmee genutzt wurde. Während man von außen die eigentlichen Dimensionen gar nicht so wahrnimmt, merkt man im Inneren des Nachrichtenbunkers erst wirklich, wie groß der eigentlich ist.

Zeit sollte man auf jeden Fall genug mitbringen, wenn man neben der Führung auch noch die Museen besichtigen und in den Antiquariaten stöbern möchte. Einen ganzen Tag kann man hier gut und gerne verbringen. Wichtig auch: wer eine Bunkerbesichtigung mitmacht, sollte sich auf jeden Fall eine Jacke mitnehmen, auch wenn draußen vielleicht 30 Grad sind. In den Bunkern selbst liegt die Temperatur ganzjährig bei 10 Grad über Null. Natürlich dürfte zudem wohl klar, daß festes Schuhwerk dazu gehört, wenn man so eine Besichtigung macht. Stöckelschuhe oder dunkle Anzüge sind so ziemlich das unpassendste, was man dort anziehen sollte. 😉 Einen Besuch ist dieses Objekt wirklich wert und das sicher nicht nur einmal, denn zu sehen gibt es dort sehr sehr viel.

Veröffentlicht von Torsten

Ich mag Deutschland und bin gerne im Land unterwegs. Historische Altstädte, tolle Landschaften, interessante Museen - es gibt vieles wofür ich mich begeistern kann. Mich findet ihr auch bei Google+.

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