Versailles – der Sonnenkönig und sein Luxuswahn
Dezember 16, 2008 12:23 pm FrankreichEin Besuch der berühmtesten Schlossanlage der Welt Versailles darf bei einem Urlaub in Paris natürlich nicht fehlen. Man sollte sich nicht von den riesigen Menschentrauben und sehr langen Warteschlangen nicht entmutigen lassen und sich tapfer hinten anstellen. Denn hat man erst einmal diese Hürde überwunden, beginnt man eine erneute Reise und zwar in eine ganz andere Welt. Spätestens im Schlosspark vergisst dann jeder die großen Menschenmassen und die langen Wartezeiten.
Versailles kann man entweder mit dem Bus oder dem PKW erreichen. Da genügend Parkplätze vorhanden sind und die Straßen in der Richtung des Schlosses nur selten verstopft sind, kann man auch locker mit dem Auto fahren. Der Atem wird einem bereits bei dem ersten Anblick auf das Schloss genommen. Die Schilderungen dürften eigentlich jedem bekannt sein, doch die 570 Meter lange Fassade, in welcher 375 Fenster sind, nehmen dann doch jedem den Atem und man ist fassungs- und sprachlos. Den Schlossgarten kann man auch mit der Kutsche oder einer elektrischen Bahn erkundigen, wer sich das jedoch anschauen möchte, sollte lieber den beeindruckenden Fußweg bevorzugen.
Für diesen Gang oder die Fahrt durch den Schlossgarten muss man sich gar nicht an die Kasse anstellen. Man kann jeder Zeit durch diesen Park spazieren gehen und sich sofort wie alleine fühlen. Wenn man den Weg über die Achse des Gartens entlang geht, erfährt man einen Wechsel von kultivierten Abschnitten mit Blumenarrangements und verwilderten, wie naturbelassenen Abschnitten. In einigen Restaurants oder Bistros kann man verweilen und essen. Weitere Anziehungspunkte stellen Statuen und Brunnen dar. Der etwa 60 Meter breite und über 1.500 Meter lange große Kanal ist der Mittelpunkt der Parkanlage.
Wenn man in einem rudernden Boot sitzt oder im park ein Picknick macht oder einen Spaziergang unternimmt, würden nur noch Krinolinen und Paradeuniformen fehlen, damit man sich in die Zeit des Sonnenkönigs zurückversetzt fühlen könnte. Auch lohnt sich ein Abstecher zu den zwei Privatschlössern Grand Trianon und Petit Trianon, wo oft die Gattin des Sonnenkönigs, Marie Antoinette, wohnte. Der Apollo-Brunnen und der Sonnenwagen warten auf dem Rückweg hin zum Schloss auf die Besucher.
Das Morgengrauen wird durch den Sonnenwagen dargestellt und auf dem Weg in Richtung Himmel macht sich Apollo, ein vierspänniger Wagen. Die Gruppe aus vergoldetem Blei wird mit Fabelwesen, beispielsweise den Tritonen, den Gefährten des Meeresgottes Poseidon, in halb menschlicher, halb fischähnlicher Gestalt, vervollständigt. Man muss sich jedoch trotz des Reichtums wieder vor die Augen rufen, dass hier eigentlich ein schlichtes Jagdschloss stand, welche von Louis XIII, dem Vater des Sonnenkönigs, erbaut wurde.
Ludwig XVI verbrachte ab 1661 ein halbes Jahrhundert damit, um sich ein Denkmal zu erbauen, nachdem er das Erbe von seinem Vater angetreten hatte. Dieser war selbst der Bauherr und auch Aufseher der Bauarbeiten, welche sich jedoch aufgrund des unwirtlichen Geländes sehr schwierig gestalteten. Die Fundamente des Schlosses wurden immer wieder von dem Sumpf verschlungen. Nur ein lang anhaltender Kampf gegen Sumpf und Moor führte zu der heutigen Gartenanlage. Ein sehr schwieriges Unterfangen war die Wasserversorgung für die vielen Wasserspiele, Brunnen und Kanäle im Garten. Wegen etlicher tödlicher Unfälle und dieser Schwierigkeiten wurden viele geplante Bauvorhaben nicht durchgeführt. Dennoch wurde die Parkanlage ein Vorbild für viele Schlösser in Europa, wie zum Beispiel Schönbrunn oder Sanssouci.
Nach dem Umzug von Lous XVI. mit seinem Hofstaat bot Versailles für 20.000 Menschen Platz. Das Leben in diesem Schloss ist jedoch sehr unangenehm, da es an Heizmöglichkeiten und Toiletten mangelt. Pomp und Glorie von Versailles gehörten nach der französischen Revolution der Vergangenheit an, da die Regierung nach Paris zurückkehrte.
Durch die Rockefeller Stiftung wurde die Sanierung nach dem ersten Weltkrieg übernommen und auch heute wird noch viel Geld daran gesetzt, damit man den Beweis für den Luxuswahn des Sonnenkönigs erhalten kann.
