Spaziergang auf den Montmartre
Dezember 10, 2008 12:09 pm FrankreichDer berühmte Stadtteil Montmartre ist einer der berühmtesten von Paris, welcher mit 128 Meter zugleich die höchste Stelle der Stadt ist. Der prächtige Tempel des Merkurs, dem römischen Götterboten, stand an dieser Stelle, als Paris noch in römischer hand war. Später wurde auch ein Benediktinerkloster an dieser Stelle erbaut.
Während der französischen Revolution wurde das Kloster jedoch zerstört. Das Viertel wurde jahrzehntelang Mont-Marat genannt. Diesen Namen hat es von dem Zerstörer Jean-Paul Marat. Die Bewohner von Montmartre bestritten ihren Lebensunterhalt durch die Förderung von Silex. Silex ist ein streifiges, gelb und rotbraun gemustertes Mineral, welches auch für die Schmuckherstellung verwendet wurde. Mit über 30 Mühlen wurde dieser Rohstoff aus dem Boden geholt. Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts jedoch bekannt wurde, dass der Berg einsturzgefährdet ist, wurde eine Mühle nach der anderen wieder entfernt und die Mineralförderung wurde beendet.
Die Moulin Rouge, welche heute Wahrzeichen des Stadtteils am Fuße des Berges ist, war letzter Zeuge dieser Zeit. Es ist schade, dass das Viertel um die rote Mühle zu einem Vergnügungsviertel der untersten Schiene verfiel. In der heutigen Zeit findet man dort in den alten Straßen lediglich mittelmäßige Bühnenshows, zahlreiche Sexshops und billige Lokale. Es ist umstritten, ob es die günstigen Hotels sind oder das zweifelhafte Vergnügungsangebot, was Touristen in das Viertel Montmartre zieht.
Einen ganz anderen Ein- und Anblick erhält man jedoch, wenn man von den Bahnhöfen Gare de l’Est und Gare du Nord in den Stadtteil spaziert. Wenn man die U-Bahn-Station Barbès Rouchechouart verlässt fühlt man sich, als wäre man in einem arabischen oder afrikanischen Basar gelandet. Die berühmtesten Sehenswürdigkeiten kann man erkunden, wenn man weiter geht. Dies ist die Kirche Sacré Caeur in einem einstigen kleinen Dörfchen. Das Leben wird in diesem Teil des Viertels gemächlicher und stiller – dies kann jedoch auch daran liegen, dass man viele steile Gässchen und Treppen hinauf steigen muss. Wenn man diesen beschwerlichen Weg vorbei an kleine Geschäfte und romantische Gassen jedoch hinter sich hat, erhält man eine ganz besondere Belohnung. Nach einer kurzen Verschnaufpause in einem typisch französischen Bistro erhält man einen wundervollen Blick über Paris.
In Montmartre ist der letzte Weinberg von vielen, die früher Paris umgaben. Die Franzosen trinken trotzdem noch genauso viel Wein wie zuvor. Je näher man Sacré Caeur kommt, trifft man immer mehr Menschen aus der ganzen Welt. Auch diejenigen Menschen, die den beschwerlichen und auch die wunderschönen Eindrücke gemieden haben und mit dem Bus aus Norden her gekommen sind, sind in Sacré Caeur wieder anzutreffen. Der Aussichtspunkt lohnt sich jedoch doppelt, wenn man sich einen vorderen Platz am Aussichtspunkt erkämpft hat.
Jedoch wurde Montmartre nicht nur durch das Moulin Rouge und der bekannten Aussicht bekannt, sondern auch als Künstlerviertel. Zum Beispiel Picasso, Monet, van Gogh und viele mehr haben hier ihre Eindrücke gesammelt und diese später dann auf die Leinwand gebracht. Nach dem Weltkrieg wurden die Namen der Künstler, die die Kunst an den Mann bringen wollten, jedoch immer unbekannter. Deshalb kennt sie heute keiner – die Maler und Zeichner, welche ihre Werke auf und um den Platz du Terte unter strenger Aufsicht der Polizei an die Gäste der Stadt verkaufen wollen. Diese sind natürlich nicht mit den Werken der bekannten Maler zu vergleichen, werden jedoch als hübsches Souvenir doch gekauft.
Montmartre erreicht man über die Metrostationen Pigalle, Anvers, Abbesses, Barbès Rouchechouart und Place Clichy.
