Kairo – Das Indiana Jones-Gefühl ägyptisch-urbanen Lebens

9:27 pm Ägypten

Kairo ist heute die Hauptstadt Ägyptens und eine von weit über 15 Millionen Menschen bevölkerte Metropole, der man ihre schlichten Ursprünge gewiss nicht mehr ansieht. Nur im Koptischen Viertel, der „Keimzelle“ dieser Megastadt, kann der aufmerksame Besucher noch hier und da über Andenken aus der Gründerzeit stolpern.

Im Jahre 641 n. Chr. nahm die Geschichte dieser Stadt ihren Lauf. Damals lautete der Name der kleinen Siedlung noch „Babylon“ – sie musste sich dem Feldherren Amr ibn al-As geschlagen geben, der seine Beute seinem Herren, dem Kalifen Omar, sozusagen zu Füßen legte. Ihr Zeltlager hatten die Eroberer aus strategischen Gründen im Norden der Siedlung errichtet. Sie hielten dort derart ausgiebig die Stellung, dass ihr Lager bald einen eigenen Namen bekam: „Fustat“, zu deutsch „das Zelt“. Doch auch Eroberer werden bisweilen erobert. Als die Abbasiden im Jahr 750 n. Chr. die Herrschaft an sich rissen, war es mit Kalif Omar und den seinen vorbei. Um ihr neues Revier zu markieren, brannten die Abbasiden das inzwischen beträchtlich angewachsene Fustat nieder und ließen nur die Amr Moschee verschont. Dafür errichteten sie, wieder etwas weiter im Norden, ihr eigenes Lager mit dem Namen El-Askar. Unter Ahmed Ibn Tulun, dem zwischen 868 und 883 n. Chr. nur ein 15 Jahre langes Leben vergönnt war, wanderte El-Askar räumlich in Richtung der Jaschkur-Hügel und bekam mit der Ibn Tulun-Moschee eine neue Mitte. Doch der feindlichen Übernahmen war es noch nicht genug. Gohar, ein fatimidischer Feldherr, überrollte und übernahm im Jahr 969 n. Chr. das Land Ägypten, riss sich sogleich El-Askar unter den Nagel und taufte es nach astrologischer Empfehlung in „El-Kahir“ um. Aus El-Kahir, der „Siegreichen“, wurde im Laufe einiger Jahre und sprachlicher Ungenauigkeiten der noch heute gebräuchliche und bekannte Name Kairo. Zwar wechselte auch Kairo auch danach noch etliche Male den Besitzer, aber immerhin der Name blieb erhalten. Und: Die neuen Besitzer brachten Wohlstand über die Stadt. Kairo wuchs und gedieh prächtig, zunächst unter verschiedenen (teils türkischen) Sultanaten, dann unter Napoleon. Die in 1176 erbaute Zitadelle wurde in 1805 nach Napoleons siegreichem Einmarsch durch Mohamed Ali besetzt (nein, dazu musste er sich nicht durchboxen). In der Folge prosperierte Kairo zusehends unter seinem neuem Regime. Überall wurde renoviert, modernisiert und neu gebaut. Kairo wuchs unaufhörlich zur heute größten Stadt Afrikas heran. Wer sich hier buchstäblich in den Mittelpunkt stellen will, der muss sich nach Midan el-Tahrir begeben. Und wer eine herrliche Präsentation vom lebendigen Kairo genießen will, der möge auf den Spuren des ersten Indiana Jones wandeln.

Kairo und der Islam

Zahlreiche prächtige Moscheen legen heute in Kairo ein beeindruckendes Zeugnis islamischer Architekturkunst im Lauf der Baugeschichte ab. Dabei diente die architektonisch eher schlichte Amr-ibn-el-As Moschee, mutmaßlich das älteste Bauwerk seiner Art in Ägypten, als Prototyp für nachfolgende Häuser der Gläubigen. So sehen wir in der Ibn-Tulun Moschee, die glücklicherweise vollständig erhalten blieb, ein landesweit einmaliges Minarett mit einer Außenstiege. Ihr Bau dauerte drei Jahre (876 bis 879) und ist für den Besucher heute eine kostbare Sehenswürdigkeit. Als die Fatimiden die Herrschaft übernahmen, errichteten auch sie als erstes ein Haus in religiöser Widmung: Die Al-Azhar-Moschee. Zwischen 970 und 973 entstand hier ein Ort gläubiger Besinnung und religiöser Unterweisungen, der auch heute noch von hochrangiger Bedeutung für die islamische Welt ist. Natürlich haben auch die Sultanate ihre baulichen Impressionen hinterlassen. Die Sultan-Hassan Moschee, deren Errichtung immerhin sechs Jahre dauerte (1356-1362), war ein zeitgenössisches Mehrzweckgebäude. In diesem nach seinem Erbauer benannten Haus wurde gebetet, unterrichtet und Heilkunde ausgeübt. Alle vier Interpretationen des Islam wurden hier gelebt. Und natürlich hat auch Mohamed Ali mit der Mohamed-Ali Moschee (Alabaster Moschee) unter dem deutlich sichtbaren Einfluss klassischer Istanbuler Bauweisen seine Spuren hinterlassen. Der Bau begann 1824 und endete 1857 in der eroberten Zitadelle.

Kirchen und Museen im koptischen Kairo

Kirchen und heilige Orte

Von den hängenden Gärten hat jeder schon einmal gehört, aber hier im koptischen Kairo gibt es eine hängende Kirche, die Al-Mo’allaqua. Ihren Namen verdankt sie ihrem recht unstabil wirkenden Standort auf dem Südportal der Festung, die die Römer in Babylon im 5. Jhdt. erbaut hatten. Hier kann der Besucher eine einmalige Sammlung wertvoller Ikonen bestaunen. Wer die älteste Kirche Kairos besuchen will, in der sich der Sage nach die heilige Familie versteckt gehalten haben soll, der muss nach St. Sergius fragen. Für dieses Gotteshaus mit drei Schiffen und einem erhöhten Querschiff stand die Form der frühchristlichen Basilika Pate. Die Krypta dieses Bauwerkes war, wenn man der Legende Glauben schenkt, die heimliche Zuflucht der heiligen Flüchtenden. Wer möchte, kann die Krypta aufsuchen und versuchen, zu erspüren, was sich hier zugetragen haben mag. Und wer dazu weitere Inspiration braucht, der möge sich im Schatten des Marienbaums in Matarija ausruhen, wie es seinerzeit angeblich auch Maria und Jesus auf ihrem Weg nach Ägypten getan haben sollen.

Museen

Mit dem Ägyptischen Museum kommt die Rede indirekt wieder auf Indiana Jones zurück, der im Film als willkommener Beschaffer einmaliger Exponate geschätzt wurde. Doch auch im wahren Leben (und ohne die Hilfe eines Filmhelden) kann dieses Museum mit erstaunlichen Schätzen aufwarten. Hier ist die umfassendste Kollektion ägyptischer Altertümer der Kunst aus den letzten 5000 Jahren zu bewundern. Ein weltweit berühmtes Glanzlicht der Ausstellung sind die Funde aus der Grabkammer dest Tut-ench-Amun, die den staunenden besucher mit ihrem Goldglanz blenden. Das Koptische Museum zeigt rare frühchristliche Kunstgegenstände und diverse mehr oder weniger gut erhaltene Artefakte aus der koptischen Zeit. Das in 1880 gegründete Museum Islamischer Kunst beherbergt in den Räumlichkeiten der Staatsbibliothek inzwischen weit über 70.000 Objekte und Exponate und gilt damit als weltweit einzigartige Sammlung in dieser Form.

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