Die Pyramiden Ägyptens

2:43 pm Ägypten

Mächtig ragen sie in den Himmel, geheimnisumwittert ist ihre Entstehung und rätselhaft sind sie bis heute geblieben – die ägyptischen Pyramiden. Es ist so unfasslich, dass eine alte Hochkultur nur mit Muskelkraft und Baumstämmen solche Bauwerke erschaffen konnte, dass bisweilen sogar tatkräftig unterstützende Einflüsse aus dem Weltall mit in Betracht gezogen wurden. Was sagen die Pyramiden dazu? Sind sie gigantische Meisterleistungen visionärer Menschen oder außerirdische Artefakte? Die Pyramiden stehen einfach nur da. Wissend, geheimnisvoll – und schweigsam. Also ganz genau so, wie ihre Schöpfer sie haben wollten.

Die wohl berühmteste von ihnen ist die Cheops-Pyramide. Die imposante Kulisse für heutige Filme und Veranstaltungen wurde von König Cheops in der vierten Dynastie mutmaßlich im Jahre 2650 v. Chr. in Auftrag gegeben. Auf 52900 Quadratmetern Fläche erhoben sich einstmals nach Fertigstellung 146 Meter Pyramide in den Himmel, von denen heute immerhin noch stolze 137 Meter übrig geblieben sind. Die Diagonale dieser mehr als kunstvoll aufgetürmten 2,5 Millionen Kalksteinblöcke verläuft so exakt von Nord-Ost nach Süd-West, dass der Betrachter nur staunend die Kunst und das Fachwissen der damaligen Bauplaner bewundern kann.

Als kleinere Schwester der Cheops könnte die südwestlich davon gelegene Chefren-Pyramide bezeichnet werden, denn sie hat mit dieser eine frappante architektonische Ähnlichkeit. Die Chefren hat zwar kleinere Abmessungen, aber eine optisch günstiger wirkende Hochlage, so dass sie ihre Basis von 44100 Quadratmetern und ihre Höhe von 136 Metern visuell eindrucksvoller darstellen kann. Man möchte fast an eine „Mogelpackung“ denken. Wer die Chefren besucht, kann an ihrer Nordseite die beiden Zugänge finden und die vom Zahn der Zeit zernagten Überreste des Totentempels und des mit ihm verbundenen Taltempels besichtigen.

In Anbetracht all der bautechnischen Gigantomanie wirkt die Mykerinos-Pyramide mit ihren 62 Metern Höhe fast schon zierlich. Dennoch vervollständigt sie das Trio der Pyramiden von Gizeh. Und sie ist nicht die einzige „Kleine“ hier.

Im Gizehs Umfeld wimmelt es von kleinen Pyramiden und natürlich von Gräbern des Adels und des Beamtentums der damaligen Zeit. Archäologen haben hier immer wieder Sensationsfunde zu vermelden gehabt. So wurden östlich und südlich der großen Pyramide die so genannten Sonnenboote in eigens dafür angelegten Felsenhöhlen entdeckt. Darüber, wohin die Reise mit diesen Holzschiffen einmal gehen sollte, kann nur spekuliert werden. Jedenfalls steht eines davon in einem Museum südlich der Cheops zur Besichtigung und zur Phantasiereise bereit.

Wie alle Pharaonen hatte auch Chefren Gefallen daran, sich selbst ein außergewöhnliches Denkmal zu setzen. Als Ergebnis dieser 70 Meter langen und 20 Meter hohen überdimensionierten Selbstdarstellung können sich Besucher heute in unmittelbarer Nähe der Chefren-Pyramide am Anblick des Sphinx erfreuen. Der Menschenkopf auf diesem Löwenkörper ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Skulptur des Kopfes von Chefren in wirksamer und wahrhaft königlicher Inszenierung.

Aber nicht nur Gizeh kann mit sehenswerten Pyramiden und anderen touristischen Attraktionen aufwarten. Auch in Dahschur fanden einflussreiche Persönlichkeiten des ägyptischen Lebens aus dem alten und mittleren Reich ihre letzte Ruhestätte auf Erden. Dahschur liegt 10 Kilometer südlich von Sakkara, recht nahe bei Kairo, und bietet seinen Besuchern auf einer Länge von ca. 3 Kilometern elf Pyramiden zur Besichtigung an. Fünf davon sind so günstig gelegen, dass sie alle in einem halben Tag besucht und gesehen werden können, wenn man sein Lager in Kairo aufgeschlagen hat.

Die Knickpyramide eröffnete den Pyramidenreigen in Dahschur. Von König Snofru gegen 2600 v. Chr. in Auftrag gegeben, musste während ihrer Erbauung ein Planungs- und Baufehler am laufenden Projekt korrigiert werden. Es galt, einen zu groß geratenen Neigungswinkel wieder ins statische Lot zu bringen, wodurch der namens gebende Knick in die Optik dieses Baus kam. Dennoch bringt es diese geknickte Schönheit auf 105 Meter Höhe und 35721 Quadratmeter Standfläche.

König Snofru mochte diese architektonische Schmach wohl nicht auf sich beruhen lassen und ließ im Anschluss weiter nördlich eine zweite Pyramide errichten, die wegen ihres rötlichen Kalksteins an den Außenflächen heute als Rote Pyramide bekannt ist. Hier fand der Bauherr mutmaßlich sein 101 Meter hohes und 213 Meter breites Grab.

Die drei Pyramiden aus dem Mittleren Reich gehörten zu Sesostris III., Amenemhet II. und Amenemhet III. Hier war das Bauthema ganz offensichtlich „Black & White“. Dunkle Ziegel aus Nilschlamm gaben den Pyramiden der Könige Sesostris III. und Amenemhet III. die Namen „Schwarze Pyramiden“, während die mittlere Pyramide von König Amenemhet II. aus hellen Kalksteinblöcken errichtet wurde und heute als „Weiße Pyramide“ kontrastiert.

Doch nicht nur die Pyramiden sind sehenswert. Der landschaftliche Kontrast von Wüste hüben und prall tragenden Maisfeldern drüben ist einmalig – Ägypter sind mit Recht stolz auf diese reizvolle Gegend voller Gegensätze. Und: Nicht nur begeisterte Menschen kommen immer wieder gerne hierher, sondern – auch viele Zugvögel, die auf ihrer langen und beschwerlichen Reise für Erfrischung und Wegzehrung dankbar sind.

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