Die Provance und ihre Weihnachtsbräuche
Januar 2, 2009 12:47 pm FrankreichIn Frankreich feiert man natürlich auch das heilige Weihnachtsfest zur Geburt Jesu Christi. Doch ganz besonders in der Provance wird dieses Fest durch zahlreiche Bräuche eingeleitet. Während in Deutschland einfache Weihnachtsmärkte mit Glühweingeruch und Lebkuchen die bevorstehende besinnliche Zeit übermitteln, hat Frankreich in der Provance ganz andere Rituale und Bräuche, die sie zelebrieren. Um ihren ganz festen Glauben zu zeigen, gehört für die Franzosen nicht einfach nur ein Weihnachtsbaum in das Haus. Nein… auch die legendäre Weihnachtskrippe ist nahezu ein Muss.
Überall finden sich zahlreiche Krippen unter den Tannenbäumen wieder. Ob ein uraltes vererbtes Stück, oder ein hoch modernes Krippchen – es muss eines unter dem Weihnachtsbaum stehen. Sogar eigene Krippenmessen finden jedes Jahr in der besinnlichen Zeit statt, wo man die schönsten Krippen der ganzen Welt bewundern kann.
In der Provance beginnt die Vorweihnachtszeit mit dem vierten Dezember – dem Namenstag der heiligen Barbara. In einem großen Fest werden hier Vorbereitungen getroffen. Die Franzosen stellen an diesem Tag drei Unterteller auf, auf denen sie drei Getreidesorten säen. Es soll hier die Dreifaltigkeit dargestellt werden. Wenn diese drei Schalen gut gepflegt werden, ist pünktlich zum Weihnachtsfest ein kleines „Feld“ gewachsen, das natürlich die Krippe oder auch den Festtisch zu Weihnachten schmückt. In Deutschland stellen die Menschen Kirschzweite ins Wasser, die ebenfalls zum Weihnachtsabend blühen sollen. Das Fest der hl. Barbara findet demzufolge nicht nur in der Provance große Beliebtheit.
Die Weihnachtsmärkte in der Provance fallen auch um ein Vielfaches imposanter aus als die in der übrigen Weihnachten feiernden Welt. Alles Zubehör für ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest erhält man in den zahlreichen Buden und Ständen der provinzialischen Weihnachtsmärkte. Glühwein und Apfel-Zimt-Geruch steigt einem schon von Weitem in die Nase. Wer sich hier auf die Suche macht, um eine Weihnachtskrippe zu kaufen, wird sicher mit voll gepackten Taschen nachhause gehen. Nun stellt sich jedoch für viele die Frage, warum gerade die Franzosen so viel Wert auf eine Krippe unter dem Tannenbaum legen. Nun, zum einen liegt es vermutlich daran, dass sie von Franz von Assisi erfunden wurde… aber zum Zweiten sicherlich auch daran, dass im Jahr 1792 – während der französischen Revolution – war alles, was mit der Kirche und Brauchtümern zu tun hatte, verboten. Die Menschen legten daher viel Wert darauf, dass gerade dann in den Familien umso mehr das heilige Fest zelebriert wurde. Erst nach dem Ende der Französischen Revolution öffneten die Kirchen wieder ihre Pforten und Weihnachten in der Provance wurde wieder offiziell gefeiert.
Das Weihnachtsfest in der Provance findet den Höhepunkt in einem – von der Familie gemeinsam eingenommenen – Festmahl, bei dem natürlich auch ganz spezielle Rituale nicht fehlen dürfen. Zum Zeichen des guten Lebens im neuen Jahr – und insbesondere einer reichen Ernte – wird hier ganz darauf bedacht, dass die Danksagungen und Huldigungen auch vor dem Essen umfangreich zelebriert werden. Insbesondere die 13 Nachtische sind wichtig. Hierbei sind keine vollständigen Mahlzeiten gemeint, sondern die Zutaten müssen 13 an der Zahl sein. Ob Nüsse, Obst, Süßigkeiten oder Kuchen ist dabei egal. Sie sollen die 12 Jünger Jesu und Jesu Christi selbst symbolisieren.
Nach dem Mahl findet der Weihnachtsabend seinen Abschluss in einer weihnachtlichen Mitternachtsmesse. Auch hier hat die Provance wieder ein ganz eigenes Ritual mit einbezogen. Es nimmt in vielen Kirchen ein Lamm an der Messe teil. Vorwiegend liegt dieser Vorzug dem jüngsten Lamm der Gemeinde zu. Da das Lamm die Fruchtbarkeit symbolisiert, findet es auch in der Mitternachtsmesse des hl. Weihnachtsabends einen festen Platz bei den Bräuchen und Ritualen.
Abgeschlossen wird die Weihnachtszeit in der Provance – wie in den übrigen christlichen Ländern auch – mit dem Tag der heiligen drei Könige. Im Gegensatz zur restlichen katholischen Welt werden die Figuren der hl. Drei Könige erst am 6. Januar in die vorher aufgestellte Krippe gestellt, da Kaspar, Melchior und Balthasar auch erst an diesem Tag den Weg zu Jesu durch den Stern gefunden haben. Nach diesem Tag kommen alle Weihnachtsbräuche wieder in den Keller oder auf den Speicher, von wo aus sie warten, bis das neue Jahr vergangen ist, und die weihnachtliche Zeit auf ein Neues beginnt.
