Der Märchenautor Hans Christian Andersen und sein Werdegang

12:37 pm Dänemark

Am 02. April im Jahr 1805 wurde Hans Christian Andersen in Odense in Dänemark geboren. Seine Eltern, der Schuhmacher Hans Andersen und seine Gattin, Anne Marie Andersdatter lebten in ärmlichen Verhältnissen und waren zur Zeit der Geburt ihres Sohnes sogar obdachlos, weswegen der genaue Geburtsort des Autors bis heute nicht genau genannt werden kann. Im heutigen Hans-Christian-Andersen-Haus, welches anlässlich seiner Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Odense einfach als sein Geburtshaus festgelegt wurde, befindet sich seit 1908 ein Museum, in dem eine Ausstellung den Würdenträger betreffenden Werke sowie zeitgenössischen Aussagen, wie Zeitungsberichte und erhaltene Briefe, zudem Bilder und Scherenschnitte untergebracht ist. Das gelbe Fachwerkhaus liegt an der Kreuzung zwischen Hans Jensen Stræde und Bangs Boder in Odense.

Die Stadt Odense war Anfang des neunzehnten Jahrhunderts als zweitgrößte Stadt Dänemarks von 6000 Menschen bewohnt; jedoch lebten rund die Hälfte davon am sozialen Abgrund. Lediglich zwei Räume hatten die Andersens in dem Fachwerkhaus in Barndomshjem zur Verfügung: Arbeiten, Leben, Spielen und Schlafen fand alles auf engstem Raum statt. In den Häusern der damaligen Zeit lebten aufgrund der Armut große Familien in winzigen Wohnungen. Geatauf wurde Hans Christian Andersen in der St. Hans Kirche, in dem spätromanischen Taufbecken der dem Johanneskloster anhängigen Kirche, die zwischen dem 13. und 15. jahrhundert erbaut wurde.

Als Kind armer Leute bleiben dem kleinen blonden Jungen nicht viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Sein Puppentheater, für das er selber Kostüme näht, Shakespeare als Lesestoff und Märchenstunden mit seinem Vater, der ihm nicht nur aus 1001 Nacht erzählt, füllen das Leben des kleinen Hans Christian aus. Verschlossen und in seiner eigenen Welt versunken verbringt er seine Tage allein für sich, statt spielend und beim herumtoben mit gleichaltrigen. Er verlässt seine Phantasiewelt nur, um zwei für ein Kind gruselige Häuser aufzusuchen. Immer wieder zieht es ihn zum Odenser Gefängnis, und zum Armenhospital, in dem seine Großmutter ihre schwere Arbeit verrichtete. Seine schon früh entdeckte Liebe zu Märchen wird hier gefördert, weil er den alten Frauen bei ihren Spinnarbeiten Gesellschaft leistet, und diese ihm Märchen erzählten zum Zeitvertreib. Angst hatte der spätere Autor nur vor der Station, auf der die geistig Kranken untergebracht waren.

Schon mit 5 Jahren kommt Hans Christian Andersen in die Schule, und nach mehreren Schulwechseln landet er auf der Armenschule Påskestræde. Es werden die Grundfächer unterrichtet, Mathematik, Schreiben und Lesen. Seine Sammlung von Theater-Billets trägt den Schüler wieder in seine Phantasiewelt zurück, in der die Darsteller aus den Theaterstücken in seinem Kopf neue Rollen erhalten. Mit 10 Jahren darf der spätere innige Bühnenliebhaber das erste Mal ins Theater. Tief in seinem Herzen hat der spätere Erfolgsautor schon in jungen Jahren den Wunsch, einmal auf einer Bühne zu stehen, und anderen Menschen Freude zu bereiten; möglicherweise auch mit seiner schönen Singstimme, die er jedoch in der realen Welt nur in Bürgerhäusern zeigen kann. Als der Vater verstirbt, muss die Mutter als Waschfrau arbeiten, damit die Familie überleben kann. Weil deren karges Einkommen nicht ausreicht, muss auch der Sohn die Schule verlassen, und Geld verdienen. Bei der Odenser Tuchfabrik Koch & Hirschfeld wird er verspottet und als Mädchen verlacht, deswegen will er dort nach wenigen Arbeitstagen nicht mehr hingehen. Laurid’s Ørnstruds Tabakfabrik in der Vestergade wird sein zweiter Arbeitsplatz, den er nur deswegen nicht aufgibt, weil die Mutter ihm erlaubt, nach den harten Arbeitsstunden noch in seiner Phantasiewelt zu versinken, und in Büchern zu schmökern.

Als die Mutter 1818 den ebenfalls als Schuster arbeitenden Niels Jørgensen heiratet, bleibt für den heranwachsenden Hans Christian alles beim Alten. Im Konfirmationsunterricht erkennt der Pastor Propst Tetens, dass er einen besonderen Menschen in seinem Unterricht hat, der das Zeug dazu hat, seine soziale Schicht hinter sich zu lassen, und etwas aus seinem Leben zu machen. Das besondere Geschenk zur Konfirmation am 18. April 1819 war ein paar Stiefel – die ersten eigenen.

Die Mutter ist sich sicher, dass ihr Sohn bald zurückkehren wird, als der 14-jährige Sohn am 4. September 1819 in die dänische Hauptstadt aufbricht. Doch Hans Christian Andersen beweist das Gegenteil. Bis zu seinem Lebensende verlässt er Kopenhagen nur zu seinen insgesamt 29 Reisen innerhalb Europas und nach Kleinasien. Als Schriftsteller wird er weit über die Grenzen von Dänemark hinaus bekannt; seinen Traum von einer Bühnenkarriere kann er sich nicht erfüllen. Als Hans Christian Andersen am 4. August 1875 an krebs stirbt, hinterlässt er ein beachtliches Werk. 211 Märchen, drei Autobiographien, zahlreiche Novellen, Reiseberichte und Theaterstücke sind erhalten. Viele seiner Werke wurden in 145 Sprachen übersetzt.

Neben dem alljährlich stattfindenden HC Andersen Marathon, einem viel besuchten Sportereignis, existiert seit dem Jahr 2000 der so genannte „Internationale Hans-Christian-Andersen-Preis“. Dieser Preis wird verliehen für das Zeigen von Menschlichkeit im Sinne seines Namensgebers. Als erstes konnte die Stadt Funabashi in Japan diesen Preis nach Hause tragen, sie seit 1989 die Partnerstadt von Odense ist, und in ihrer Stadt einen wunderschönen Andersen park geschaffen hat.

Natürlich vermarktet Odense den weltberühmten Autor im touristischen Sektor. Mit dem „Odense Märchenpass“, den man bei der Stadt kaufen kann, kann man sich auf die Spurensuche des Dichters Hans Christian Andersen machen, und dabei kostenlos die Verkehrsmittel der Stadt in Anspruch nehmen; neben Bus und Zug auch die Fähre „Stige“. In diesem Märchenpass ist auch bereits der Eintritt zu den vielen Sehenswürdigkeiten enthalten, so zum Beispiel zum Museum und Kindheitshaus Hans-Christian Andersens und dem Eisenzeitmuseum „Jernalderlandsby“, der Kunsthalle „Brandts Klædefabrik“, dem Museum für Fotokunst, dem Dänische Zeitungsmuseum dem Carl Nielsen Museum. Im Preis für den Pass inbegriffen sind auch gratis Rathausführungen und Stadtrundgänge, der Eintritt in die 6 städtischen Bäder; zudem erhält man 25% Nachlass im Europäischen Automobil Museum, bei den Hans-Christian-Andersen Festspielen im Fünischen Dorf, bei einer Angelkarte für die Odense Au und für Ausflugsfahrten auf der Au.

Erhältlich ist der Märchenpass im Turist Bureau, bei den Städtischen Verkehrsbetrieben, in Hotels und Jugendherbergen sowie der Dänischen Staatsbahn DSB. Für einen 1-Tages-Pass zahlt man 15 Euro für Erwachsene und acht Euro für Kinder. Der 48-Stunden-Pass kostet 20 beziehungsweise 11 Euro.

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