Grönland: Das grüne Land der Menschen
März 30, 2008 Grönland No CommentsDer Welt größte Insel lässt mit ihrem Namen Raum für Natur und Mensch. Zum einen ist der Name „Grönland“ in der Sprache der Einwohner das „Land der Menschen“, während es für die Dänen „grünes Land“ heißt. Beide Bedeutungen finden ihre ganz eigene Berechtigung auf dieser geschichtsträchtigen und unverfälschten Rieseninsel. Würde man Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Spanien, Italien, Österreich, Belgien und die Schweiz zu einem einzigen Eiland zusammenkleben (oder wahlweise Deutschland großzügig mal sechs nehmen), dann könnte man Grönland flächenmäßig Konkurrenz machen. Allerdings könnte diese Kunstinsel von den grönländischen Bevölkerungsverhältnissen nur träumen, denn nur etwa 56.000 Menschen besiedeln dieses riesige eisblaue Paradies. Fünfundachtzig Prozent dieser Menschen sind geborene Grönländer, der Rest ist aus Dänemark zugezogen. In der Hauptstadt Nuuk tummeln sich etwa 25% der gesamten Bevölkerung, was Nuuk folgerichtig zur größten Stadt auf Grönland macht. Die Menschen leben hier überwiegend von dem Fischreichtum, den sie vor ihrer Haustüre finden und von dort in die ganze Welt exportieren.
In Grönland wird es nie wirklich warm, weil polare und subpolare Einflüsse dafür sorgen, dass ein Außenthermometer hier getrost bei 20 Grad Celsius seine Skala im oberen Bereich beenden kann. Mehr wird auch an einzelnen Hochsommertagen nie gemessen. So viel knackige Kälte mögen Knut und Flocke, aber durch die extreme Lufttrockenheit kommt auch der Mensch ganz gut weg. Hier können wegen des fehlenden Chill-Faktors Temperaturen sogar bis zu 10 Grad minus noch als durchaus erträglich empfunden werden. Wenn dann aber der Winter mit 40 Grad minus seine Tiefenrekorde aufstellt, tut man doch besser daran, sich einen wärmenden Unterschlupf zu suchen.
Grönland verbirgt sich zu über 80% unter flächendeckendem Eis, das bis zu erstaunlichen 3 km dick sein kann. Das Eis wandert vom Inland in Richtung Meer und türmt durch seine langsamen, aber stetigen Bewegungen Eisberge auf, die eine Länge von mehreren Kilometern erreichen können. Deshalb macht es Sinn, dass die kleinen und großen Siedlungen der Einwohner sämtlich an der Westküste liegen, die sich vom warmen Golfstrom ganzjährig eisfrei halten lässt. Die eisfreie Küste kontrastiert reizvoll mit dem gefrorenen Eisbärenparadies und lockt mit ihrem spröden Charme immer neue winterfeste Besucher aus aller Welt zu sich.
Die Frage, wem (oder zu wem) Grönland gehört, bedarf einer recht vielschichtigen Betrachtung. Die geografische Antwort ist mit „Nordamerika“ korrekt gegeben. Kanada und Grönland sind enge Nachbarn, die an ihrer „Nahtstelle“ gerade mal von 26 Kilometer Wasser getrennt sind. Politisch muss die Antwort aber „Europa“ lauten, denn Grönland gehört zum Königreich Dänemark. Seit 1979 wird diese Zugehörigkeit jedoch auch nicht mehr so eng gesehen, denn seit diesem Jahr ist Grönland autonom und der dänische Einfluss entsprechend diskret und dezent. Lediglich in Fragen der Außenbeziehungen, der Verteidigung, der Gesetze und der Währung gilt das dänische Wort, alles andere regeln die Grönländer mit ihrem eigenen Parlament, dem „Landsting“, unter sich. Einunddreißig Abgeordnete, die im Turnus von vier Jahren gewählt werden, vertreten hier das Volk. So kam es auch in 1985 zum Austritt aus der EU nach Volkes Willen. Die Grönländer mochten sich nicht länger von auswärtigen Fangflotten den Weg zum Unterwasser-Kahlschlag vorzeichnen lassen und beschlossen per Volksentscheid, das Überfischen durch deutsche Fangflotten mit ihrem Austritt zu unterbinden. Dennoch gilt Grönland als überseeisches EU-Gebiet und genießt weiterhin die Vorteile der Zollunion. Es sind sogar immer zwei Abgeordnete aus Grönland im dänischen Parlament.
Die heutigen Ureinwohner Grönlands sind größtenteils Nachfahren zentralasiatischer und kanadischer Einwanderer, die sich erstmals vor ca. 5.000 Jahren in ihrer neuen Heimat ansiedelten. Die Europäer kamen erst viel später in 985 n. Chr. in Gestalt Eriks des Roten daher – und mit ihnen der dänische Name „Grönland“. Bereits 15 Jahre später bewohnten 3.000 Hartgesottene den Süden Grönlands und der Sohn Eriks des Roten, Leif Eriksson, brachte dann das Christentum nach Grönland. Doch so plötzlich, wie sie gekommen waren, verschwanden sie auch wieder. Im 15. Jhdt. verließen die „Eindringlinge“ ohne weitere Erklärungen die Insel und ließen lediglich reichhaltige Spuren ihrer Kultur und ihres zeitgenössischen Lebens zurück, die heute noch faszinieren und Rätsel aufgeben. Heute wohnen auf Grönland die „Kalaallit“, eine Volksgruppe der Inuit, die enge Verbindungen zu ihren Brüdern und Schwestern in Kanada, Alaska und Sibirien haben. Dieses stark traditionsgebundene Volk widersteht durch seine tiefe Verwurzelung mit seinem einmaligen Lebensraum allen Versuchen kultureller Überformung. Hier in Grönland weht der gepflegte Zeitgeist lebendiger Tradition.
