Alexandria – Stadt kultureller Superlative

Ägypten No Comments

Alexandria ist eine der größten Städte Ägyptens und Standort des wichtigsten Hafens in diesem Land. Benannt wurde die Stadt nach Alexander dem Großen. Dessen Architekt Deinokrates legte seinerzeit eine Bauplanung vor, die es ermöglichte, Alexandria in der Zeit von 332-331 v. Chr. genau dort zu erbauen, wo vormals das kleine Fischerdorf Rhakotis lag.

Alexandria war von Erfolg auf allen Ebenen verwöhnt. Diese Stadt wurde rasch zum kulturellen, geistigen und wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Gekrönt wurde ihr Ruhm mit einem der sieben Weltwunder, dem Leuchtturm von Pharo. Philosophen, Dichter, bildende Künstler und Wissenschaftler aller Fachbereiche drängten sich wissbegierig in Alexandrias weltberühmter Bibliothek, die zu Recht schon damals als das Zentrum des Denkens galt. Auch die Römer, die sich später der Stadt bemächtigten, wussten diesen intellektuellen Schatz zu nutzen und zu ehren. Alexandria war und blieb Hauptstadt, auch bei den Ptolemäern. Viele aus diesen Zeiten erhaltene architektonische Monumente zeugen von der Durchmischung der unterschiedlichen Kulturen, die hier wirkten.

Das Griechisch-Römische Museum
Die Sammlung hier beinhaltet ca. 40.000 Relikte aus den Jahren vom Anfang des 3. Jhdt. v. Chr. bis zum 7. Jhdt. n. Chr. Die wichtigsten Exponate sind dabei zweifelsohne die Tanagra-Statuen sowie eine Münzsammlung, die seltene Stücke damaliger griechischer und römischer Währung zeigt.

Die Gräber von Kom El-Schoquafa
Mit diesem Kulturdenkmal aus dem 1. und 2. Jhdt. n. Chr. hinterließen die Römer ihre größte dort erbaute Katakombenanlage auf ägyptischem Boden. Die Katakomben umfassen drei Stockwerke. Der Bau-Stil vereint ägyptische, griechische und römische Elemente zu einer künstlerisch kunstvollen Gesamtkomposition.

Die Pompejussäule
Einst war dem Gott Sarapis ein von den Ptolemäern erbautes eigenes Serapeum geweiht. Davon ist heute leider nur noch die Pompejussäule erhalten geblieben. Der Rest des Heiligtums fiel den Unruhen der Heidenverfolgung von Theodosius (391 n. Chr.) unwiederbringlich zum Opfer. Es wird heute angenommen, dass die ca. 25 Meter hohe Pompejussäule seinerzeit Diokletian ehren sollte.

Die Gräber von Al-Anfuschi
Wer die Einwirkungen der griechischen Kultur auf das ägyptische Kunsthandwerk näher studieren möchte, dem sei der Besuch dieser Gräbergruppe empfohlen, die von fünf ptolemäischen Gräbern aus dem 2. Jhdt. v. Chr. gebildet wird.

Die Grabstätte des El-Schatbi
Diese letzte Ruhestätte datiert auf das 3. Jhdt. v. Chr. und zeigt sehr interessante architektonische Anleihen an den Stil alter griechischer Häuser.

Die Mustafa-Kamel-Gräber
Ebenfalls aus dieser Zeit stammt diese in Felsen eingehauene Grabanlage, die sich allerdings von anderen Ptolemäer-Gräbern auffällig unterscheidet. Anders als sonst üblich sind hier reliefartige Dekorationen zu finden, die das Alltagsleben der Toten verbildlichen und Zeugnis vom Glauben ablegen. Insgesamt vier Gräber können hier besichtigt werden.

Das römische Theater
Zu ihrer Unterhaltung errichteten die Römer ein kleines Theater mit über 10 halbkreisförmigen Sitzreihen. Heute ist es in Ägypten das einzige kulturelle Denkmal seiner Art.

ISLAMISCHE BAUWERKE

Die Kait-Bey-Festung
Eines der sieben Weltwunder, der Leuchtturm von Pharo, musste seinen Platz für diese Festung räumen und sogar seine baulich verwertbaren Überreste für den Neubau zur Verfügung stellen. So entstand hier im 15. Jhdt. n. Chr. ein imposantes Bollwerk, das heute, zusammen mit einem integrierten Schifffahrtsmuseum, besichtigt werden kann.

Die Moschee des Al-Mursi Abu El-Abbas
Diese 1769 im andalusischen Stil erbaute Moschee ist mit Abstand die größte in Alexandria. Ihren Namen gab ihr ein Gelehrter, über dessen Grab sie erbaut wurde.

Besucher von Alexandria erwarten aber nicht nur eine reizvolle Architektur und Zeugnisse einer bewegten Vergangenheit. Hier gibt es auch herrliche Gärten und Parkanlagen, die zur Erholung und Entspannung einladen. An den weißen Traumstränden kann Meerluft geschnuppert werden, während in den zahlreichen interessanten Museen der Hauch der Geschichte weht.

SEHENSWERTES IM UMFELD VON ALEXANDRIA

Al-Alamein
Dieser Name steht für die in 1985 archäologisch entdeckte Städteanlage sowie für die Soldatenfriedhöfe des zweiten Weltkriegs.

Marsa Matruh
Hier lautet das Stichwort „Rommel-Museum“. Dem Besucher bietet sich an diesem Ort ein Blick auf einen Tempel zu Zeiten Ramses II., eine koptische Kirche sowie auf das berühmte Rommel-Versteck.

Die Klöster im Wadi Natrun
Zwischen Kairo und Alexandria erstreckt sich ein 32 Kilometer langes Tal, durch das eine Wüstenstraße führt. Dort befinden sich vier Klöster, deren heute sichtbare Gebäude aus dem 9. Jhdt. datieren.

Von Kairo aus ist Alexandria sehr gut zu erreichen. Mehrmals am Tag gibt es Flugzeuge, Bahnen und Busse, die die beiden Orte miteinander verbinden. Auch nach Marsa Matruh und nach Al-Alamein gibt es günstige Anschlussverbindungen.

Assuan – der Energielieferant und die Wasserquelle für ein riesiges Land

Ägypten No Comments

Assuan ist eine bemerkenswerte Stadt am rechten Nilufer, unterhalb des ersten Kataraktes in Ägypten, 106 Meter über NN und ca. 850 km südlich von Kairo gelegen. Das ausgewogene milde und trockene Klima, das hier vorherrscht, lockt das ganze Jahr über zahlreiche erholungsbedürftige Menschen an. Hier herrscht stets lebendiges und buntes Treiben, durch die engen Gassen schieben sich viele geschäftige Menschen und der drei Kilometer lange Gewürzmarkt ist ein Magnet für Händler, Kunden und alle Neugierigen, die Wohlduft lieben. Dennoch strahlt dieser liebenswürdige geschäftige Ort wohltuende Entspannung und Gelassenheit aus.

Schätzungsweise 150.000 Menschen leben in Assuan, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Der berühmte Assuan Staudamm mit seiner imposanten Länge von gut vier Kilometern und der gewaltigen Höhe von 111 Metern hat zwei lebenswichtige Aufgaben. Zum einen wird hier per Wasserkraft die notwendige Stromversorgung gewährleistet, zum anderen wird von hier aus das gesamte Land mit Wasser versorgt. Doch Assuan hat nicht nur eine geschäftige Gegenwart, sondern auch eine Ehrfurcht gebietende Vergangenheit, die seinen unvergleichlichen Reiz ausmacht und einen Besuch wert ist.

Der Philae Tempel
Sandstein war die Bausubstanz dieses Tempels, der im Zuge der Erbauung des Assuan-Staudamms (1973-1981) seinen angestammten Platz verlassen musste, um überdauern zu können. Er wurde von der namens gebenden Insel Philae, wo er ursprünglich entstanden war, in die sichere Höhe der Insel Agilika verbracht. Das hätte dieses Bauwerk aus der Epoche der Ptolemäer gewiss nicht erwartet, als es um 250 v. Chr. begonnen und um 111 n. Chr. beendet wurde.

Die Elephantine Insel
Manche Götter der damaligen Zeit hatten Tierköpfe. So auch der Gott Chnum, dem auf dieser Insel jener Tempel geweiht war, von dem heute leider nur noch Reste zu besichtigen sind. Einst von den Gaufürsten als Residenz und Garnisonsplatz auserkoren, zeugen heute nur noch Bruchstücke auf dieser Insel von damaliger Pracht. Von dem damaligen Interesse an Wasserständen erzählt ein zeitgenössisches Nilmesser, auf dem 3000 Jahre alte Wasserstandsmarken eingraviert sind. Assuan ist schon immer ein El Dorado für Archäologen und Geschichtswissenschaftler gewesen. Deshalb ist das hiesige Museum, welches Ausgrabungsfunde rund um Assuan ausstellt, immer einen Besuch wert.

Das Mausoleum des Aga Khan
Die Ismaeliten trugen an diesem Ort, dem Westufer des Nils, in 1957 ihr Oberhaupt zu Grabe. Zur räumlichen Orientierung: Gegenüber des Mausoleums liegt das Old-Cataract-Hotel. Das Mausoleum selbst erscheint im fatimidischen Stil und schenkt seinen Besuchern einen atemberaubenden Überblick über Assuan.

Der Botanische Garten
Auf der ehemaligen Privatinsel des Lord Kitchener („I want You for U.S. Army“) erfreut heute ein botanischer Garten das Auge der Gäste.

Der unvollendete Obelisk
Nein, Obelix trifft da bestimmt keine Schuld. Der Besucher kann hier in den Granitsteinbrüchen einen ca. 41 Meter hohen und vier Meter breiten halbfertigen Obelisken bestaunen, der beredtes Zeugnis von altägyptischer Steinmetzkunst ablegt.

Das Simeon-Kloster
Aus dem 6. Jhdt. datiert diese einst sehr beeindruckende koptische Klosteranlage Ägyptens. In ihrer Basilika, auf der unteren Terrasse, sind viele Reste von Fresken gut erhalten, die Jesus und seine Apostel abbilden.

Die Gräber der Adeligen
Schon von weitem sind sie gut zu erkennen – die Gräber der Gaufürsten aus dem 23. Jhdt. v. Chr., die in den unzugänglichen steilen Felsen am nördlichen Ende Assuans des westlichen Gebirges eingehauen sind. Ihre Inschriften und Malereien lassen erahnen, wie das damalige Leben und Glauben gewesen sein mag.

Die Staudämme
Die Jahre 1898-1902 waren bereits Zeuge der ersten Baumaßnahmen für den Assuan Staudamm. In den Jahren 1912 und 1934 folgten zwei weitere Erhöhungen, die weltweit als revolutionäre Wegbereiter für eine neuzeitliche Bewässerung gehandelt wurden. Zwei Kilometer Länge und 51 Meter Höhe waren ein überzeugendes Argument.
In Kooperation mit der Sowjetunion konnte aber noch weit erreicht werden. In 1960 bis 1971 entstand der neue Staudamm Sadd El Ali, der 111 Meter über das Flussbett ragt, sich auf eine Länge von vier Kilometern erstreckt und an seiner Krone 40 Meter breit ist. An seiner Basis ist er bis zu 980 Meter breit. Der dazugehörige Nasser-See kann mit einer Länge von 550 Kilometern aufwarten. Er ist der drittgrößte Stausee der Welt und erstreckt sich bis in den Sudan.

Shoppen in Assuan
Wer Gewürze liebt und sich auf ihre geschmackliche und heilkundliche Wirkung versteht, für den wird der Gewürzmarkt eine Quelle für preisgünstige und erstklassige Ware sein. Teeliebhaber werden die feilgebotenen Malven- und Tamariskenblüten zu schätzen wissen. Aber auch Galabjias, Schmuck und andere Güter finden hier glückliche Käufer.

Die Tempelanlagen südlich von Assuan
Die Einrichtung des gewaltigen Stausees hat es notwendig gemacht, geschichtlich wertvolle Bauwerke zum Erhalt räumlich zu versetzen. So geschah es auch diesen Tempelanlagen. Wer sie besichtigen will, möge eine Nilkreuzfahrt am Nasser See zum willkommenen Anlass nehmen. Beide Tempel bei Abu Simbel sind auch mit Flugverbindungen zugänglich.

Der Bait-el-Wali Tempel
Dieser ursprünglich von Ramses II. als einer von fünf in Nubien errichteten Tempel entstand ca. 100 Meter entfernt vom Kalabascha Tempel auf ein Neues. Das Innere dieses Tempels ist besonders interessant. Dort sind Darstellungen zu sehen, sie besonders eindrücklich verschiedene Kriegsszenen veranschaulichen.

Der Tempel von Kalabscha
Auch dieser Tempel wurde im Zuge des Baus des Staudamms auf sicheres Terrain gerettet. Einstmals hatte ihn der römische Kaiser Oktavian (30 v. Chr. bis 14 n. Chr.) 55 Kilometer südlich von Assuan errichten lassen. Heute steht er einen Kilometer südwestlich des Hochdammes in geschützter Höhe zur Besichtigung bereit. Dieser Tempel ist neben Abu Simbel eine der imposantesten nubischen Tempelanlagen. Sein Gott aus ptolemäischer Zeit ist Mandulis, der Lokalgott von Talis.

Abu Simbel

Ägypten No Comments

Ramses II. als Bauherr in Abu Simbel

Ramses II. ließ hier zunächst einen großen und später noch einen kleineren Tempel erbauen. Den ersten weihte er den Göttern Amon-Re, Re-Harachte, Ptha sowie sich selbst. Der kleinere Tempel ehrte nach der Fertigstellung seine Gemahlin Nefertari sowie die Göttin Hathor.

Bevor die Wassermengen des Nasser Sees diese beiden Kostbarkeiten verschlingen konnten, schritt die UNESCO helfend ein und bewahrte beide Bauwerke für die Nachwelt.

Der große Tempel von Abu Simbel
Wie bereits erwähnt ließ Ramses II. diesen Tempel erbauen – der UNESCO ist es zu danken, dass der große Tempel heute als eines der am besten erhaltenen nubischen Denkmäler dasteht. Mit seiner 33 Meter hohen und 38 Meter breiten Fassade ist er ein Ehrfurcht gebietender Anblick. Den Eingang säumen vier Kolossalstatuen, die Ramses II. selbst darstellen. Jede von ihnen ist mit 20 Metern Höhe mehr als überlebensgroß. Um sich geschart haben die steinernen Abbilder kleinere Figuren, die Mitglieder der Königsfamilie verkörpern. Ein Bildnis der Göttin Ma’at wacht über dem imposanten Portal. In der großen Pfeilerhalle sind 8 Pfeiler zu finden, die Ramses II. in der Gestalt von Osiris zeigen. Die Wände dieser Halle zeigen eindrucksvolle Szenen aus dem Feldzug gegen die Hethiter. Genau zwei mal im Jahr, nämlich am 22. Februar und am 22. Oktober, erleuchten die Strahlen der erwachenden Morgensonne das Kultbild im Tempelinneren.

Der kleine Tempel von Abu Simbel
Nördlich des großen Tempels findet sich der kleine Tempel. Seine Fassade wird eindrucksvoll gerahmt von vier Standbildern, die Ramses II. darstellen, und weiteren zwei Standbildern seiner Gattin Nefertari. Die Halle dieses Tempels birgt sechs Pfeiler, die zu Ehren der Göttin Hathor mit deren Kopf geschmückt sind. Reliefs huldigen Ramses II. als furchtlosem Kämpfer und zeigen ihn nebst seiner Frau im Umgang mit den Göttern. Besonders beeindruckend ist ein gut erhaltenes Hochrelief einer Hathorkuh im tiefsten Allerheiligsten dieses Denkmals.

Die Gräber in den Tälern der Königinnen und Könige

Ägypten No Comments

Hoheitliche ägyptische Grabstätten können im Tal der Könige, im Tal der Königinnen, bei den Gräbern der Noblen sowie auch bei den Arbeitergräbern gefunden werden. Da die unterschiedlichen Dynastien verschiedene Vorlieben für ihre jeweilige Totenkultur praktiziert haben, sind die Grabstätten recht unterschiedlich ausgeschmückt.


Die Gräber im Tal der Könige

Hier wurden insgesamt 64 Felsstollen gefunden, in denen fast nur Könige ihre Ruhestätte fanden, was die Namensgebung dieses Ortes begründete. Alle Gräber weisen die gleichen baulichen Merkmale und Anlagen auf und unterscheiden sich lediglich in der Achslage sowie in der Art der Verzierung. Hier sieht man an den Wänden wechselweise Hoch- oder Tiefreliefs oder Wandmalereien.

Sethos I.
König Sethos I. wurde in dem größten und schönsten aller Königsgräber beigesetzt. Auf 100 Meter Tiefe und auf zwei Achsen wurde der Grabschacht in den Kalkstein getrieben. Das Grab als ein solches besteht aus mehreren, üppig verzierten Kammern. Dem Besucher bietet sich der Anblick zahlreicher feiner Hochreliefs, die kunstvoll bemalt sind.

Tut-ench-Amun
Dieses Grab gelangte zu weltweiter Berühmtheit. Es wurde im Jahre 1922 von dem Engländer Howard Carter entdeckt – als einziges seiner Art völlig unversehrt. Alle anderen Gräber im Tal der Könige hatten Schändungen von Grabräubern über sich ergehen lassen müssen. Einzig die Grabbeigaben von Tut-ench-Amun, dem Nachfolger und Schwiegersohn des König Echnaton, blieben vor räuberischen Übergriffen verschont und liegen heute im Ägyptischen Museum in Kairo für staunende Besucher zur Besichtigung bereit.

Haremhab
Hier taucht erstmalig das „Pfortenbuch“ auf, wodurch die raumgreifenden Steinreliefs und Wandbilder besonders interessant werden.

Ramses III.
Diese Anlage wurde in der 20. Dynastie erbaut und weist eine sehr starke Untergliederung auf.

Thuthmosis III.
Die Grabkammer dieses Königs ist abgerundet – eine für damalige Verhältnisse höchst beeindruckende bauliche Leistung. Alle Kammern der Anlage sind mit Sternen dekoriert.

Die Gräber im Tal der Königinnen

Während der 18. bis 20. Dynastie wurden hier rund 70 Königinnen, Prinzessinnen und Prinzen zu Grabe getragen, die gefunden werden konnten.

Nefertari
Diese Königin war die Gemahlin von Ramses II. und daher ist es nicht verwunderlich, dass ihr Grab von allen mit den prachtvollsten Ausschmückungen und Darstellungen aufwartet. Dennoch sind auch die anderen Gräber hier einer Besichtigung wert.

Amun-her-Chompeschef und Cha-em-Weset, beides Söhne von Ramses III., lagen hier ebenso begraben wie Königin Titi, die Gattin eines Ramses.

Die Gräber der Noblen und der Arbeiter

Menena
Er war Zeitgenosse von Thutmosis IV. und wurde mit einer außerordentlich lebendig ausgestalteten Grabkammer bedacht.

Ramose
Dieser Wesir unter den Königen Amenophis III. und Amenophis IV. kam in den Vorzug eines Grabes, welches von den Auswirkungen eines deutlichen künstlerischen Stilwechsels geprägt ist und von daher archäologisch besonders interessant ist.

Nacht
Dieser Mann war der Astronom von Thutmosis IV. und wurde für seine treuen Dienste nach seinem Ableben mit einem besonders schönen Grab belohnt. Detaillierte bildliche Schilderungen aus dem damaligen ägyptischen Alltagsleben schmücken die Wände.

Sennodjem
Obwohl hier nur ein Arbeiter in einer einfachen überwölbten Sargkammer beigesetzt wurde, kann sich der Beschauer an einzigartigen Verzierungen erfreuen.

Die Pyramiden Ägyptens

Ägypten No Comments

Mächtig ragen sie in den Himmel, geheimnisumwittert ist ihre Entstehung und rätselhaft sind sie bis heute geblieben – die ägyptischen Pyramiden. Es ist so unfasslich, dass eine alte Hochkultur nur mit Muskelkraft und Baumstämmen solche Bauwerke erschaffen konnte, dass bisweilen sogar tatkräftig unterstützende Einflüsse aus dem Weltall mit in Betracht gezogen wurden. Was sagen die Pyramiden dazu? Sind sie gigantische Meisterleistungen visionärer Menschen oder außerirdische Artefakte? Die Pyramiden stehen einfach nur da. Wissend, geheimnisvoll – und schweigsam. Also ganz genau so, wie ihre Schöpfer sie haben wollten.

Die wohl berühmteste von ihnen ist die Cheops-Pyramide. Die imposante Kulisse für heutige Filme und Veranstaltungen wurde von König Cheops in der vierten Dynastie mutmaßlich im Jahre 2650 v. Chr. in Auftrag gegeben. Auf 52900 Quadratmetern Fläche erhoben sich einstmals nach Fertigstellung 146 Meter Pyramide in den Himmel, von denen heute immerhin noch stolze 137 Meter übrig geblieben sind. Die Diagonale dieser mehr als kunstvoll aufgetürmten 2,5 Millionen Kalksteinblöcke verläuft so exakt von Nord-Ost nach Süd-West, dass der Betrachter nur staunend die Kunst und das Fachwissen der damaligen Bauplaner bewundern kann.

Als kleinere Schwester der Cheops könnte die südwestlich davon gelegene Chefren-Pyramide bezeichnet werden, denn sie hat mit dieser eine frappante architektonische Ähnlichkeit. Die Chefren hat zwar kleinere Abmessungen, aber eine optisch günstiger wirkende Hochlage, so dass sie ihre Basis von 44100 Quadratmetern und ihre Höhe von 136 Metern visuell eindrucksvoller darstellen kann. Man möchte fast an eine „Mogelpackung“ denken. Wer die Chefren besucht, kann an ihrer Nordseite die beiden Zugänge finden und die vom Zahn der Zeit zernagten Überreste des Totentempels und des mit ihm verbundenen Taltempels besichtigen.

In Anbetracht all der bautechnischen Gigantomanie wirkt die Mykerinos-Pyramide mit ihren 62 Metern Höhe fast schon zierlich. Dennoch vervollständigt sie das Trio der Pyramiden von Gizeh. Und sie ist nicht die einzige „Kleine“ hier.

Im Gizehs Umfeld wimmelt es von kleinen Pyramiden und natürlich von Gräbern des Adels und des Beamtentums der damaligen Zeit. Archäologen haben hier immer wieder Sensationsfunde zu vermelden gehabt. So wurden östlich und südlich der großen Pyramide die so genannten Sonnenboote in eigens dafür angelegten Felsenhöhlen entdeckt. Darüber, wohin die Reise mit diesen Holzschiffen einmal gehen sollte, kann nur spekuliert werden. Jedenfalls steht eines davon in einem Museum südlich der Cheops zur Besichtigung und zur Phantasiereise bereit.

Wie alle Pharaonen hatte auch Chefren Gefallen daran, sich selbst ein außergewöhnliches Denkmal zu setzen. Als Ergebnis dieser 70 Meter langen und 20 Meter hohen überdimensionierten Selbstdarstellung können sich Besucher heute in unmittelbarer Nähe der Chefren-Pyramide am Anblick des Sphinx erfreuen. Der Menschenkopf auf diesem Löwenkörper ist aller Wahrscheinlichkeit nach eine Skulptur des Kopfes von Chefren in wirksamer und wahrhaft königlicher Inszenierung.

Aber nicht nur Gizeh kann mit sehenswerten Pyramiden und anderen touristischen Attraktionen aufwarten. Auch in Dahschur fanden einflussreiche Persönlichkeiten des ägyptischen Lebens aus dem alten und mittleren Reich ihre letzte Ruhestätte auf Erden. Dahschur liegt 10 Kilometer südlich von Sakkara, recht nahe bei Kairo, und bietet seinen Besuchern auf einer Länge von ca. 3 Kilometern elf Pyramiden zur Besichtigung an. Fünf davon sind so günstig gelegen, dass sie alle in einem halben Tag besucht und gesehen werden können, wenn man sein Lager in Kairo aufgeschlagen hat.

Die Knickpyramide eröffnete den Pyramidenreigen in Dahschur. Von König Snofru gegen 2600 v. Chr. in Auftrag gegeben, musste während ihrer Erbauung ein Planungs- und Baufehler am laufenden Projekt korrigiert werden. Es galt, einen zu groß geratenen Neigungswinkel wieder ins statische Lot zu bringen, wodurch der namens gebende Knick in die Optik dieses Baus kam. Dennoch bringt es diese geknickte Schönheit auf 105 Meter Höhe und 35721 Quadratmeter Standfläche.

König Snofru mochte diese architektonische Schmach wohl nicht auf sich beruhen lassen und ließ im Anschluss weiter nördlich eine zweite Pyramide errichten, die wegen ihres rötlichen Kalksteins an den Außenflächen heute als Rote Pyramide bekannt ist. Hier fand der Bauherr mutmaßlich sein 101 Meter hohes und 213 Meter breites Grab.

Die drei Pyramiden aus dem Mittleren Reich gehörten zu Sesostris III., Amenemhet II. und Amenemhet III. Hier war das Bauthema ganz offensichtlich „Black & White“. Dunkle Ziegel aus Nilschlamm gaben den Pyramiden der Könige Sesostris III. und Amenemhet III. die Namen „Schwarze Pyramiden“, während die mittlere Pyramide von König Amenemhet II. aus hellen Kalksteinblöcken errichtet wurde und heute als „Weiße Pyramide“ kontrastiert.

Doch nicht nur die Pyramiden sind sehenswert. Der landschaftliche Kontrast von Wüste hüben und prall tragenden Maisfeldern drüben ist einmalig – Ägypter sind mit Recht stolz auf diese reizvolle Gegend voller Gegensätze. Und: Nicht nur begeisterte Menschen kommen immer wieder gerne hierher, sondern – auch viele Zugvögel, die auf ihrer langen und beschwerlichen Reise für Erfrischung und Wegzehrung dankbar sind.

Tempel, Paläste und Museen in Luxor

Ägypten No Comments

Diese ägyptische Stadt hat eine sehr bewegte Vergangenheit, von der heute in Luxor und um Luxor herum einige der bedeutendsten archäologischen Funde ein beredtes Zeugnis ablegen. Die geschichtsträchtigen Sehenswürdigkeiten sind hier so zahlreich vertreten, dass Luxor auch als „Stadt der Paläste“ bezeichnet wird.

Wie so viele Städte hier wechselte auch Luxor häufig den Besitzer und damit den Namen. Im ägyptischen Altertum hieß es noch „Waset“. Dann kamen die Griechen und machten daraus das „hunderttorige Theben“. Ab 1540 v. Chr. wurde Theben dann zur Hauptstadt eines geeinten Ägyptens und erfreute sich in dieser herausragenden Eigenschaft besonderer kultureller und religiöser Aufmerksamkeit sowie eines beeindruckenden Reichtums. Der Sonnengott Amun war hier in heiligem Kult zu Hause und die Pharaonen sahen in dem Karnak-Tempel eine luxuriöse Dauerbaustelle, die es ständig in Pracht und Herrlichkeit zu erweitern galt. Am Ostufer entstanden die Tempelanlagen für die Götter, am Westufer wurden die dahingeschiedenen Pharaonen und deren Frauen in den Tälern der Könige und Königinnen verehrt. Wer hier persönlich auf den Pfaden der Geschichte wandeln will, kann mit einem Charterjet direkt am internationalen Flughafen Luxor landen oder eine Nilkreuzfahrt buchen, die hier beginnt oder endet.

Tempelanlagen in Luxor

Der Tempel von Luxor diente seinerzeit zur Verehrung des Gottes Amun und erfreute sich der wohlwollenden, großzügigen und geduldigen Bauherrenschaft der Pharaonen Amenophis III. und Ramses II. Er ist das Zentrum von Luxor und direkt am Nilufer gelegen. Der Säulengang und die vorzüglichen kunsthandwerklichen Ausschmückungen sind unbedingt sehenswert. Seine architektonische Besonderheit ist eine abgeknickte Achse, die der räumlichen Lage der Sphingen-Allee und des Karnak-Tempels Rechnung trägt. Einstmals grüßte Ramses vor dem Tempel gleich in sechsfacher Ausfertigung als Kolossalstatue – heute sind davon nur noch drei Stück zu bewundern. Dafür ist aber noch ein Obelisk aus rotem Granit zu sehen, dessen „Bruder“ nach Frankreich ausgewandert ist und seit 1836 auf dem Pariser „Place de la Concorde“ die Besucher anzieht.

Der Tempel von Karnak war, wie bereits erwähnt, ein dynastienübergreifendes Großprojekt zu Ehren Amuns und anderer Götter. Zum Zeitpunkt seiner Vollendung beeindruckte er durch 10 Pylonen. Seine ältesten Bauteile stammen aus der 11. Dynastie und finden sich östlich. Die so genannten „Sphingen-Alleen“ verbinden den Tempel von Karnak mit dem Tempel der Göttin Mut einerseits und dem Tempel von Luxor andererseits. Dies wurde durch eine abgeknickte Tempelachse bautechnisch möglich gemacht. Doch nicht nur der Tempel als solcher ist sehenswert. Besucher mögen ihr Augenmerk auch auf zwei Obelisken, den heiligen See, den Riesenskarabäus und den atemberaubenden Säulensaal richten. Auf einer Fläche von sage und schreibe 5400 Quadratmetern ragen 134 Sandstein-Säulen in 16 Reihen in den blauen Himmel.

Der Totentempel erhebt sich seit der 11. Dynastie (mutmaßlicher Baubeginn: 2040 v. Chr.) in West-Luxor und legte damit den Grundstein für die schlussendlich größte Totenstadt in Ägypten. Hier fanden König Echnaton und alle Könige des neuen Reiches ihre letzte Ruhestätte.

Der als Ramesseum bezeichnete Tempel ist leider nur noch in wenigen Teilen erhalten, aber das wenige, was noch vorhanden ist, genügt, um den Eindruck seiner einstigen gewaltigen Größe zu vermitteln. Ramses II. setzte hier für Amun und für sich selbst ein großzügiges Zeichen des Kultes. Sein 18 Meter hohes und 1000 Tonnen schweres „Abbild“ wurde zwar ein Opfer der alles vernichtenden Zeit, aber die Reliefs sind noch immer von starker Ausdrucksfähigkeit.

Der Tempel der Königin Hatschepsut (Deir el-Bahri) wurde von seinem Erbauer Sennmut als Terrassentempel konzipiert und architektonisch erstaunlich günstig in die damalige Landschaft integriert. Seine drei Rampen wurden in Anteilen aus dem Fels gehauen und er trägt beeindruckend bildreichen Schmuck zu den Themen „Goldland Punt“ und „Geburt“. Königin Hatschepsut ruhte hier neben Mentuhotep, der ca. 500 Jahre von ihr hier geherrscht hatte.

Der etwas bissige Spruch „praktisch denken – Särge schenken“ hätte in der ausgeprägten und völlig tabufreien Totenkultur der Ägypter wahrscheinlich kein Aufsehen erregt. Wenn die hoch motivierten und engagierten Nekropolen-Arbeiter nicht gerade mit der Erbauung des Tempels Deir el-Medina für das ehrenhafte Andenken an Amenophis III. beschäftigt waren, verbrachten sie ihre Zeit mit der eigenen handwerklichen Grabvorsorge. Doch nicht nur Amenophis III., sondern auch Hathor und Maat sollten nach dem Willen der Ptolemäer hier in Pracht verehrt werden.

Von dem großen Totentempel von Theben, der von Amenophis II. in Auftrag gegeben wurde, ist heute leider nichts mehr übrig, was sich wirklich zu besichtigen lohnte. Einzig die Memnonskolosse, deren Namensgebung der griechischen Mythologie zu verdanken ist, halten hier als einstige Torwächter einsam die Stellung. Mit knapp 18 Metern Höhe und 700 Tonnen Gewicht erinnern sie an Memnon, den sagenhaften Sohn der Morgenröte.

Auf dem Areal namens Medînet Hâbu sind der große Totentempel Ramses III., der kleine Tempel der Hatschepsut , der Totentempel des Haremhab sowie die Gräber verschiedener Gemahlinnen des Amun versammelt. Im Jahre 1898 begannen hier Archäologen ihr umfassendes Werk und förderten dabei unter anderem Flachreliefs recht blutigen Inhaltes zutage. Noch heute lassen diese Darstellungen keinen Zweifel darüber aufkommen, dass die Pharaonen mit ihren Widersachern nicht lange gefackelt haben und wussten, wie Amun mit Menschenopfern zu huldigen war. Auch wurden hier in der 21. Dynastie die so genannten „Grabräuberprozesse“ geführt und Königsmumien zu deren Schutz an besser gesicherte Orte verbracht.

Museen in Luxor

Das Museum von Luxor stellt seit 1976 Relikte aus der Amarna-Zeit aus. Diese Zeit war geprägt von Echnaton, einem für damalige ägyptische Verhältnisse erstaunlich monotheistischen Pharao, der die Hauptstadt nach Tell-el-Amarna verlagerte. Des weiteren wartet das Museum von Luxor mit Funden auf, die unter dem Tempel von Luxor geborgen werden konnten. Wer englisch oder deutsch spricht, wird sich im Museum von Luxor gut informieren können.

Die Gräber in den Tälern der Königinnen und Könige

Ägypten No Comments

Hoheitliche ägyptische Grabstätten können im Tal der Könige, im Tal der Königinnen, bei den Gräbern der Noblen sowie auch bei den Arbeitergräbern gefunden werden. Da die unterschiedlichen Dynastien verschiedene Vorlieben für ihre jeweilige Totenkultur praktiziert haben, sind die Grabstätten recht unterschiedlich ausgeschmückt.

Die Gräber im Tal der Könige

Hier wurden insgesamt 64 Felsstollen gefunden, in denen fast nur Könige ihre Ruhestätte fanden, was die Namensgebung dieses Ortes begründete. Alle Gräber weisen die gleichen baulichen Merkmale und Anlagen auf und unterscheiden sich lediglich in der Achslage sowie in der Art der Verzierung. Hier sieht man an den Wänden wechselweise Hoch- oder Tiefreliefs oder Wandmalereien.

Sethos I.
König Sethos I. wurde in dem größten und schönsten aller Königsgräber beigesetzt. Auf 100 Meter Tiefe und auf zwei Achsen wurde der Grabschacht in den Kalkstein getrieben. Das Grab als ein solches besteht aus mehreren, üppig verzierten Kammern. Dem Besucher bietet sich der Anblick zahlreicher feiner Hochreliefs, die kunstvoll bemalt sind.

Tut-ench-Amun
Dieses Grab gelangte zu weltweiter Berühmtheit. Es wurde im Jahre 1922 von dem Engländer Howard Carter entdeckt – als einziges seiner Art völlig unversehrt. Alle anderen Gräber im Tal der Könige hatten Schändungen von Grabräubern über sich ergehen lassen müssen. Einzig die Grabbeigaben von Tut-ench-Amun, dem Nachfolger und Schwiegersohn des König Echnaton, blieben vor räuberischen Übergriffen verschont und liegen heute im Ägyptischen Museum in Kairo für staunende Besucher zur Besichtigung bereit.

Haremhab
Hier taucht erstmalig das „Pfortenbuch“ auf, wodurch die raumgreifenden Steinreliefs und Wandbilder besonders interessant werden.

Ramses III.
Diese Anlage wurde in der 20. Dynastie erbaut und weist eine sehr starke Untergliederung auf.

Thuthmosis III.
Die Grabkammer dieses Königs ist abgerundet – eine für damalige Verhältnisse höchst beeindruckende bauliche Leistung. Alle Kammern der Anlage sind mit Sternen dekoriert.

Die Gräber im Tal der Königinnen

Während der 18. bis 20. Dynastie wurden hier rund 70 Königinnen, Prinzessinnen und Prinzen zu Grabe getragen, die gefunden werden konnten.

Nefertari
Diese Königin war die Gemahlin von Ramses II. und daher ist es nicht verwunderlich, dass ihr Grab von allen mit den prachtvollsten Ausschmückungen und Darstellungen aufwartet. Dennoch sind auch die anderen Gräber hier einer Besichtigung wert.

Amun-her-Chompeschef und Cha-em-Weset, beides Söhne von Ramses III., lagen hier ebenso begraben wie Königin Titi, die Gattin eines Ramses.

Die Gräber der Noblen und der Arbeiter

Menena
Er war Zeitgenosse von Thutmosis IV. und wurde mit einer außerordentlich lebendig ausgestalteten Grabkammer bedacht.

Ramose
Dieser Wesir unter den Königen Amenophis III. und Amenophis IV. kam in den Vorzug eines Grabes, welches von den Auswirkungen eines deutlichen künstlerischen Stilwechsels geprägt ist und von daher archäologisch besonders interessant ist.

Nacht
Dieser Mann war der Astronom von Thutmosis IV. und wurde für seine treuen Dienste nach seinem Ableben mit einem besonders schönen Grab belohnt. Detaillierte bildliche Schilderungen aus dem damaligen ägyptischen Alltagsleben schmücken die Wände.

Sennodjem
Obwohl hier nur ein Arbeiter in einer einfachen überwölbten Sargkammer beigesetzt wurde, kann sich der Beschauer an einzigartigen Verzierungen erfreuen.

Kairo – Das Indiana Jones-Gefühl ägyptisch-urbanen Lebens

Ägypten No Comments

Kairo ist heute die Hauptstadt Ägyptens und eine von weit über 15 Millionen Menschen bevölkerte Metropole, der man ihre schlichten Ursprünge gewiss nicht mehr ansieht. Nur im Koptischen Viertel, der „Keimzelle“ dieser Megastadt, kann der aufmerksame Besucher noch hier und da über Andenken aus der Gründerzeit stolpern.

Im Jahre 641 n. Chr. nahm die Geschichte dieser Stadt ihren Lauf. Damals lautete der Name der kleinen Siedlung noch „Babylon“ – sie musste sich dem Feldherren Amr ibn al-As geschlagen geben, der seine Beute seinem Herren, dem Kalifen Omar, sozusagen zu Füßen legte. Ihr Zeltlager hatten die Eroberer aus strategischen Gründen im Norden der Siedlung errichtet. Sie hielten dort derart ausgiebig die Stellung, dass ihr Lager bald einen eigenen Namen bekam: „Fustat“, zu deutsch „das Zelt“. Doch auch Eroberer werden bisweilen erobert. Als die Abbasiden im Jahr 750 n. Chr. die Herrschaft an sich rissen, war es mit Kalif Omar und den seinen vorbei. Um ihr neues Revier zu markieren, brannten die Abbasiden das inzwischen beträchtlich angewachsene Fustat nieder und ließen nur die Amr Moschee verschont. Dafür errichteten sie, wieder etwas weiter im Norden, ihr eigenes Lager mit dem Namen El-Askar. Unter Ahmed Ibn Tulun, dem zwischen 868 und 883 n. Chr. nur ein 15 Jahre langes Leben vergönnt war, wanderte El-Askar räumlich in Richtung der Jaschkur-Hügel und bekam mit der Ibn Tulun-Moschee eine neue Mitte. Doch der feindlichen Übernahmen war es noch nicht genug. Gohar, ein fatimidischer Feldherr, überrollte und übernahm im Jahr 969 n. Chr. das Land Ägypten, riss sich sogleich El-Askar unter den Nagel und taufte es nach astrologischer Empfehlung in „El-Kahir“ um. Aus El-Kahir, der „Siegreichen“, wurde im Laufe einiger Jahre und sprachlicher Ungenauigkeiten der noch heute gebräuchliche und bekannte Name Kairo. Zwar wechselte auch Kairo auch danach noch etliche Male den Besitzer, aber immerhin der Name blieb erhalten. Und: Die neuen Besitzer brachten Wohlstand über die Stadt. Kairo wuchs und gedieh prächtig, zunächst unter verschiedenen (teils türkischen) Sultanaten, dann unter Napoleon. Die in 1176 erbaute Zitadelle wurde in 1805 nach Napoleons siegreichem Einmarsch durch Mohamed Ali besetzt (nein, dazu musste er sich nicht durchboxen). In der Folge prosperierte Kairo zusehends unter seinem neuem Regime. Überall wurde renoviert, modernisiert und neu gebaut. Kairo wuchs unaufhörlich zur heute größten Stadt Afrikas heran. Wer sich hier buchstäblich in den Mittelpunkt stellen will, der muss sich nach Midan el-Tahrir begeben. Und wer eine herrliche Präsentation vom lebendigen Kairo genießen will, der möge auf den Spuren des ersten Indiana Jones wandeln.

Kairo und der Islam

Zahlreiche prächtige Moscheen legen heute in Kairo ein beeindruckendes Zeugnis islamischer Architekturkunst im Lauf der Baugeschichte ab. Dabei diente die architektonisch eher schlichte Amr-ibn-el-As Moschee, mutmaßlich das älteste Bauwerk seiner Art in Ägypten, als Prototyp für nachfolgende Häuser der Gläubigen. So sehen wir in der Ibn-Tulun Moschee, die glücklicherweise vollständig erhalten blieb, ein landesweit einmaliges Minarett mit einer Außenstiege. Ihr Bau dauerte drei Jahre (876 bis 879) und ist für den Besucher heute eine kostbare Sehenswürdigkeit. Als die Fatimiden die Herrschaft übernahmen, errichteten auch sie als erstes ein Haus in religiöser Widmung: Die Al-Azhar-Moschee. Zwischen 970 und 973 entstand hier ein Ort gläubiger Besinnung und religiöser Unterweisungen, der auch heute noch von hochrangiger Bedeutung für die islamische Welt ist. Natürlich haben auch die Sultanate ihre baulichen Impressionen hinterlassen. Die Sultan-Hassan Moschee, deren Errichtung immerhin sechs Jahre dauerte (1356-1362), war ein zeitgenössisches Mehrzweckgebäude. In diesem nach seinem Erbauer benannten Haus wurde gebetet, unterrichtet und Heilkunde ausgeübt. Alle vier Interpretationen des Islam wurden hier gelebt. Und natürlich hat auch Mohamed Ali mit der Mohamed-Ali Moschee (Alabaster Moschee) unter dem deutlich sichtbaren Einfluss klassischer Istanbuler Bauweisen seine Spuren hinterlassen. Der Bau begann 1824 und endete 1857 in der eroberten Zitadelle.

Kirchen und Museen im koptischen Kairo

Kirchen und heilige Orte

Von den hängenden Gärten hat jeder schon einmal gehört, aber hier im koptischen Kairo gibt es eine hängende Kirche, die Al-Mo’allaqua. Ihren Namen verdankt sie ihrem recht unstabil wirkenden Standort auf dem Südportal der Festung, die die Römer in Babylon im 5. Jhdt. erbaut hatten. Hier kann der Besucher eine einmalige Sammlung wertvoller Ikonen bestaunen. Wer die älteste Kirche Kairos besuchen will, in der sich der Sage nach die heilige Familie versteckt gehalten haben soll, der muss nach St. Sergius fragen. Für dieses Gotteshaus mit drei Schiffen und einem erhöhten Querschiff stand die Form der frühchristlichen Basilika Pate. Die Krypta dieses Bauwerkes war, wenn man der Legende Glauben schenkt, die heimliche Zuflucht der heiligen Flüchtenden. Wer möchte, kann die Krypta aufsuchen und versuchen, zu erspüren, was sich hier zugetragen haben mag. Und wer dazu weitere Inspiration braucht, der möge sich im Schatten des Marienbaums in Matarija ausruhen, wie es seinerzeit angeblich auch Maria und Jesus auf ihrem Weg nach Ägypten getan haben sollen.

Museen

Mit dem Ägyptischen Museum kommt die Rede indirekt wieder auf Indiana Jones zurück, der im Film als willkommener Beschaffer einmaliger Exponate geschätzt wurde. Doch auch im wahren Leben (und ohne die Hilfe eines Filmhelden) kann dieses Museum mit erstaunlichen Schätzen aufwarten. Hier ist die umfassendste Kollektion ägyptischer Altertümer der Kunst aus den letzten 5000 Jahren zu bewundern. Ein weltweit berühmtes Glanzlicht der Ausstellung sind die Funde aus der Grabkammer dest Tut-ench-Amun, die den staunenden besucher mit ihrem Goldglanz blenden. Das Koptische Museum zeigt rare frühchristliche Kunstgegenstände und diverse mehr oder weniger gut erhaltene Artefakte aus der koptischen Zeit. Das in 1880 gegründete Museum Islamischer Kunst beherbergt in den Räumlichkeiten der Staatsbibliothek inzwischen weit über 70.000 Objekte und Exponate und gilt damit als weltweit einzigartige Sammlung in dieser Form.