Assuan – der Energielieferant und die Wasserquelle für ein riesiges Land

9:05 pm Ägypten

Assuan ist eine bemerkenswerte Stadt am rechten Nilufer, unterhalb des ersten Kataraktes in Ägypten, 106 Meter über NN und ca. 850 km südlich von Kairo gelegen. Das ausgewogene milde und trockene Klima, das hier vorherrscht, lockt das ganze Jahr über zahlreiche erholungsbedürftige Menschen an. Hier herrscht stets lebendiges und buntes Treiben, durch die engen Gassen schieben sich viele geschäftige Menschen und der drei Kilometer lange Gewürzmarkt ist ein Magnet für Händler, Kunden und alle Neugierigen, die Wohlduft lieben. Dennoch strahlt dieser liebenswürdige geschäftige Ort wohltuende Entspannung und Gelassenheit aus.

Schätzungsweise 150.000 Menschen leben in Assuan, dem wirtschaftlichen Zentrum des Landes. Der berühmte Assuan Staudamm mit seiner imposanten Länge von gut vier Kilometern und der gewaltigen Höhe von 111 Metern hat zwei lebenswichtige Aufgaben. Zum einen wird hier per Wasserkraft die notwendige Stromversorgung gewährleistet, zum anderen wird von hier aus das gesamte Land mit Wasser versorgt. Doch Assuan hat nicht nur eine geschäftige Gegenwart, sondern auch eine Ehrfurcht gebietende Vergangenheit, die seinen unvergleichlichen Reiz ausmacht und einen Besuch wert ist.

Der Philae Tempel
Sandstein war die Bausubstanz dieses Tempels, der im Zuge der Erbauung des Assuan-Staudamms (1973-1981) seinen angestammten Platz verlassen musste, um überdauern zu können. Er wurde von der namens gebenden Insel Philae, wo er ursprünglich entstanden war, in die sichere Höhe der Insel Agilika verbracht. Das hätte dieses Bauwerk aus der Epoche der Ptolemäer gewiss nicht erwartet, als es um 250 v. Chr. begonnen und um 111 n. Chr. beendet wurde.

Die Elephantine Insel
Manche Götter der damaligen Zeit hatten Tierköpfe. So auch der Gott Chnum, dem auf dieser Insel jener Tempel geweiht war, von dem heute leider nur noch Reste zu besichtigen sind. Einst von den Gaufürsten als Residenz und Garnisonsplatz auserkoren, zeugen heute nur noch Bruchstücke auf dieser Insel von damaliger Pracht. Von dem damaligen Interesse an Wasserständen erzählt ein zeitgenössisches Nilmesser, auf dem 3000 Jahre alte Wasserstandsmarken eingraviert sind. Assuan ist schon immer ein El Dorado für Archäologen und Geschichtswissenschaftler gewesen. Deshalb ist das hiesige Museum, welches Ausgrabungsfunde rund um Assuan ausstellt, immer einen Besuch wert.

Das Mausoleum des Aga Khan
Die Ismaeliten trugen an diesem Ort, dem Westufer des Nils, in 1957 ihr Oberhaupt zu Grabe. Zur räumlichen Orientierung: Gegenüber des Mausoleums liegt das Old-Cataract-Hotel. Das Mausoleum selbst erscheint im fatimidischen Stil und schenkt seinen Besuchern einen atemberaubenden Überblick über Assuan.

Der Botanische Garten
Auf der ehemaligen Privatinsel des Lord Kitchener („I want You for U.S. Army“) erfreut heute ein botanischer Garten das Auge der Gäste.

Der unvollendete Obelisk
Nein, Obelix trifft da bestimmt keine Schuld. Der Besucher kann hier in den Granitsteinbrüchen einen ca. 41 Meter hohen und vier Meter breiten halbfertigen Obelisken bestaunen, der beredtes Zeugnis von altägyptischer Steinmetzkunst ablegt.

Das Simeon-Kloster
Aus dem 6. Jhdt. datiert diese einst sehr beeindruckende koptische Klosteranlage Ägyptens. In ihrer Basilika, auf der unteren Terrasse, sind viele Reste von Fresken gut erhalten, die Jesus und seine Apostel abbilden.

Die Gräber der Adeligen
Schon von weitem sind sie gut zu erkennen – die Gräber der Gaufürsten aus dem 23. Jhdt. v. Chr., die in den unzugänglichen steilen Felsen am nördlichen Ende Assuans des westlichen Gebirges eingehauen sind. Ihre Inschriften und Malereien lassen erahnen, wie das damalige Leben und Glauben gewesen sein mag.

Die Staudämme
Die Jahre 1898-1902 waren bereits Zeuge der ersten Baumaßnahmen für den Assuan Staudamm. In den Jahren 1912 und 1934 folgten zwei weitere Erhöhungen, die weltweit als revolutionäre Wegbereiter für eine neuzeitliche Bewässerung gehandelt wurden. Zwei Kilometer Länge und 51 Meter Höhe waren ein überzeugendes Argument.
In Kooperation mit der Sowjetunion konnte aber noch weit erreicht werden. In 1960 bis 1971 entstand der neue Staudamm Sadd El Ali, der 111 Meter über das Flussbett ragt, sich auf eine Länge von vier Kilometern erstreckt und an seiner Krone 40 Meter breit ist. An seiner Basis ist er bis zu 980 Meter breit. Der dazugehörige Nasser-See kann mit einer Länge von 550 Kilometern aufwarten. Er ist der drittgrößte Stausee der Welt und erstreckt sich bis in den Sudan.

Shoppen in Assuan
Wer Gewürze liebt und sich auf ihre geschmackliche und heilkundliche Wirkung versteht, für den wird der Gewürzmarkt eine Quelle für preisgünstige und erstklassige Ware sein. Teeliebhaber werden die feilgebotenen Malven- und Tamariskenblüten zu schätzen wissen. Aber auch Galabjias, Schmuck und andere Güter finden hier glückliche Käufer.

Die Tempelanlagen südlich von Assuan
Die Einrichtung des gewaltigen Stausees hat es notwendig gemacht, geschichtlich wertvolle Bauwerke zum Erhalt räumlich zu versetzen. So geschah es auch diesen Tempelanlagen. Wer sie besichtigen will, möge eine Nilkreuzfahrt am Nasser See zum willkommenen Anlass nehmen. Beide Tempel bei Abu Simbel sind auch mit Flugverbindungen zugänglich.

Der Bait-el-Wali Tempel
Dieser ursprünglich von Ramses II. als einer von fünf in Nubien errichteten Tempel entstand ca. 100 Meter entfernt vom Kalabascha Tempel auf ein Neues. Das Innere dieses Tempels ist besonders interessant. Dort sind Darstellungen zu sehen, sie besonders eindrücklich verschiedene Kriegsszenen veranschaulichen.

Der Tempel von Kalabscha
Auch dieser Tempel wurde im Zuge des Baus des Staudamms auf sicheres Terrain gerettet. Einstmals hatte ihn der römische Kaiser Oktavian (30 v. Chr. bis 14 n. Chr.) 55 Kilometer südlich von Assuan errichten lassen. Heute steht er einen Kilometer südwestlich des Hochdammes in geschützter Höhe zur Besichtigung bereit. Dieser Tempel ist neben Abu Simbel eine der imposantesten nubischen Tempelanlagen. Sein Gott aus ptolemäischer Zeit ist Mandulis, der Lokalgott von Talis.

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