Århus – Die kleinste Großstadt der Welt
Dezember 9, 2008 12:06 pm Dänemark„Verdens mindste storby“ – die kleinste Großstadt der Welt nennt sich das dänische Århus mit seinen knapp 300.000 Einwohnern. Der größte Containerhafen des Königreichs gehört zu dieser lebendigen Stadt, ebenso wie seine Universität, sein Kulturzentrum mit internationalem Niveau. Auch als Industriestandort hat die zweitgrößte Stadt Dänemarks Bedeutung.
Als Tourist in dieser schönen Stadt hat man die Möglichkeit, sich mit dem so genannten Århuspass kostenlos mit den örtlichen Verkehrsmitteln von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fahren zu lassen. Auch Eintrittspreise sind in dieser Ermäßigungskarte enthalten.
Beginnen wir die Sightseeingtour am Rathaus, von dessen Turm man aus 60 Meter Höhe seinen Blick über die Dächer der Stadt bis hin zu den Wäldern im Norden und Süden schweifen lassen kann. Im Westen erhascht man Blicke auf die fischreichen Seen, im Osten kann man die Badestrände der Århusbucht erahnen.
Unter Denkmalschutz steht dieses in Stahlbeton erbaute und mit norwegischem Marmor verkleidete Rådhus, welches im zweiten Weltkrieg von Arne Jacobsen und Erik Møller erbaut wurde erst seit 1994. Nach Fertigstellung bezeichneten die Stadtväter es abfällig als „salonkommunistischen Pappkarton“, heute ist es ein Musterbeispiel für dänischen Funktionalismus.
Sehenswert ist auch das Wahrzeichen der Stadt, die Domkirche Sanct Clemes, die nicht nur der mit 94 Metern längste Kirchenbau Dänemarks ist, sondern auch im Innenraum durch seine Kalkmalereien in Rostrot und Grün, die mit dem goldenen Glanz des Flügelaltars des Lübecker Meisters Bernt Notke eine imposante Einheit bilden, dem Betrachter ein schönes Bild bietet.
Stroeget, also Strich nennt sich ähnlich wie in Kopenhagen, die Einkaufsmeile südwestlich des Doms, bestehend aus den drei Straßen Ryesgade, Søndergade und Clemens-Torv, die zum Einkaufsbummel einlädt. Im Nordosten findet man das Latinerkvarter – ein lebendiges Multi-Kulti-Viertel mit Flair.
Schlendert man durch die Häuschen zwischen Badstuegade, Graven und Rosengade, findet man angesagte, aber nicht alltägliche Boutiquen, urige Kneipen und Restaurants, wo man die besten Gaumenfreuden bestellen kann. Wie in die 50er zurückversetzt fühlt man sich beim Bummel durch die Kellerläden, in denen man alles – vom fangfrischen Ostseefisch bis zur regionalen Käsespezialität kaufen kann. Dazwischen findet man Szene-Läden, die für den großen und kleinen Geldbeutel alles bieten, was man sich – oder auch nicht – vorstellen kann.
Weiter geht unsere Tour durch Århus entlang der Århus Å, die ihr schönes Pflaster nun nach Jahren unter Beton wieder zeigen darf. Kneipen und Restaurants Tür an Tür bieten dem Szenegänger hier die erwünschte Abwechslung. Wegen der zahlreichen Feinkostläden und Gourmetgeschäfte nennt man die Straßen rund um den Frederiks-bjerg auch die Speiskammer von Århus. Hier findet man neben unterschiedlichsten Lokalen auch das größte City-Center des Königreichs: Bruuns Galleri bietet ein Kaufhaus, fünf Großmärkte, 70 geschäfte, Bars und Büros, ein CinemaXX-Kino, eingebaut in die Finessen der skandinavischen Architektur.
Die Mischung machts: „Hygge“ – typisch dänisch gemütlich – auf der einen Seite, auf der anderen Seite das typische Großstadtleben. War man eben noch eingekesselt von modernen Bürohäusern, biegt man zwei Straßen weiter ab in eine scheinbare idyllische Dorfstimmung, mit Stockrosen in Vorgärten vor den typischen gelben Fachwerkhäusern.
Unverzichtbar für unsere Besichtigungsfahrt durch die Stadt ist der Besuch des „Den Gamle By“, der „Stadt in der Stadt“, einem europaweit einmaligem Kleinstadtmuseum, in dem man 75 historische Häuser aus allen Teilen Dänemarks zusammengetragen hat. Wie ins Mittelalter zurückversetzt fühlt man sich in der uralten Bäckerei, dem alten Postamt oder dem ehemaligen Stadttheater – denn alle Gebäude werden ihrem ursprünglichen Zweck entsprechend betrieben.
Nicht mit ein paar Stunden Zeit kommt man aus, wenn man sich den Besuch des AroS, dem Århuser Kunstmuseum, aufs Programm genommen hat. Der von Licht durchströmte Neubau mit viel Glas eröffnete in Jahr 2004, direkt beim Rathaus. Auf beinahe 18.000 Quadratmetern, aufgeteilt auf 10 Etagen, findet man Werke vom 18. Jahrhundert bis heute. Im Untergeschoß des Gebäudes finden sich weltbekannte Installationen, so zum Beispiel eine Videoprojektion von Bill Viola – „Five Angels for the millenium“, wo der interessierte Betrachter sich leuchtende Engel erscheinen lassen kann; auch James Turrell’s „Milk Run“ dürfte dem Kunstliebhaber nicht unbekannt sein – die Entstehung eines metaphysischen Raumes in drei Farben.
Themawechsel, aber wir bleiben im Museumsbereich. Das Kvindemuseet, welches seit 1984 besteht, zeigt als „Frauenmuseum“ vom Teppichklopfer bis zur lila Latzhose eine Ausstellung zu allen Lebensbereichen von Frauen des 20. Jahrhunderts.
Eine interaktive Entdeckungsreise durch Wissenschaft und Technik von Stonehenge bis hin zu Niels Bohr erlebt man im Stenomuseum. Einen Reisebericht in babylonischer Keilschrift in Ton klopfen, nachdem man sich eindrucksvolle Lichteffekte der Atomphysik zeigen ließ, und danach einen Ausflug in die Arznei- und Heilmittelbotanik auf der Terrasse des Museums machen und den Besuch dann im „Skymaster“ von Carl Zeiss mit einer Multimediashow des Nachthimmels unter der elf Meter großen Kuppel des Museums ausklingen lassen, dürfte diesen Tag unvergesslich werden lassen.
Wer sich zur Århuser Festwoche in der dänischen Stadt aufhält, kommt in einen Hochgenuss von Schauspiel und Musik. An den zehn Tagen Ende August oder Anfang September rechen sich Musiker, Ballettkünstler, bildende Künstler und staunende Zuschauer und –Hörer die Hände und taumeln zusammen durch den Genuss der Künste, der an allen möglichen orten der Stadt durchlebt werden kann.
Zu Vorführungen des städtischen Symphonieorchesters, Aufführungen der Jyske Opera und Gastspielen weltbekannter Künstler lädt von September bis Juni in das Musikhuset ein
Was ein Wasser-Plantsch-Bau-Spiel-Boots-Land ist, wird der sich fragenden Touristenfamilie offenbart, besucht sie das Tivoli „Friheden“, welches 2004 einhundert Jahre alt wurde, und die Waldgaststätte „Terrassen“ umgibt, wo die Århuser früher schon Ruhe vor dem Stadtlärm suchten.
Dass auch Königinnen Urlaub machen, erfährt man, wenn man das Schloss Marselisborg besucht, in welchem die dänische Königin Margarethe II. oft ihren Sommerurlaub verbringt. Ob die Königin anwesend sein könnte, erkennt mit einem Blick nach Kopenhagen; wenn dort bämlich Marschmusik und Touristenscharen beim Wachwechsel fehlen, befindet sich die Königin nicht in der Stadt, und es ist möglich, dass sie sich in ihrem Schloss in den Wäldern von Marselis befindet. Diese ausgedehnten Wälder an der Küste werden unterbrochen von Badestränden und Ausflugslokalen. Wenn man seine Sightseeingtour durch diese Wälder führen lässt, kommt man nicht am Forhistorik-Museum Moesgård vorbei, man muss dort verweilen, und die Geschichte der Vorzeit von der Steinzeit über die Bronze- und Eisenzeit bis zu den Wikingern auf sich wirken lassen. Natürlich nicht, ohne den so genannten „Grauballemann“ gesehen zu haben, eine ungewöhnlich gut erhaltene Moorleiche, etwa 2000 Jahre alt. Das Leben dieses Menschen kann man erahnen, wenn man den sieben Kilometer langen Lehrpfad entlang wandert, an der rekonstruierten Stabkirche von Hørning und einem alten Stadthaus aus Haibatu bei Schleswig vorbei, und natürlich dem Grubenhaus und den Grabstätten aus der Zeit der ersten Jahrtausendwende.
„Vikingetraef“ ist der Name eines großen Treffens von Anhängern der Wikingerzeit und –Kultur. Jährlich am letzten Wochenende im Juli treffen sich Wikinger aus ganz Skandinavien und Großbritannien, um 2 Tage in das leben des Kriegervolkes zurückzuschweifen und den Besuchern ihr Können, im Umgang mit Pferden und Waffen zu präsentieren, und dabei typischen Schmuck und zeitgemäße Kunst auf dem Olavsmarkt zu verkaufen. Während sie geschäftig ihrem Treiben frönen, schaukeln auf der Ostsee wie echt aussehende rekonstruierte Wikingerschiffe friedlich auf den Wellen der Ostsee, und man erahnt einen Hauch vom damaligen Leben.
